Mittwoch, 17. Oktober 2007

Finished and Sorted!


Gestern habe ich mein letztes paper abgegeben und heute meinen letzten Tag im Maori Legal Services gehabt. Das heißt: Fertig!!!

Da wir gestern Nachmittag noch „Drinks and Nibbles“ in (und sponsored by) der Law School hatten, war ich erst gegen Mitternacht imstande einen Kuchen zu backen. Hat aber geklappt und ich konnte den Kuchen dann zum Abschieds-Morning-Tea im Office präsentieren. Nerissa, eine Kollegin hatte auch noch eine Schokotorte mit Erdbeeren besorgt. Dann musste ich ne Rede halten, danach hat eine Kollegin ne Rede auf mich gehalten, dann wurde gebetet und dann konnte endlich der Kuchen angeschnitten werden. Der Höhepunkt war dann, dass Nerissa eine Kette, die sie trug, abnahm und mir gab und mir alles Gute für die Zukunft wünschte. Ich war zunächst verwirrt, weil ich dachte, sie würde mir jetzt ihre eigene Kette schenken. Daraufhin wurde mir erklärt, dass die Kette, bevor sie übergeben wird, vom Herzen angewärmt werden muss. Deshalb hat Nerissa sie sich ne halbe Stunde vorher umgehängt und der Anhänger war dann auch wirklich warm als ich die Kette umgehängt bekam. Der Anhänger ist dem traditionellen Angelhaken nachempfunden. Als ich dann bemerkte, dass das ja „Save Travel“ bedeutet, laut den Touri-shops waren meine Kollegen amüsiert und haben mir den „wahren“ Hintergrund erzählt. Da es offenbar eine der wichtigsten Maori Legenden ist, erzähle ich sie auch euch… drum gebt fein acht…:

Maui, einTyp – halb Gott, halb Mensch – war mit seinen Brüdern im Kanu (waka) voll weit draussen aufm Meer. Dann hat er seinen Zauber-Angelhaken ausgeworfen und nach kurzer Zeit zog etwas an der Angelschnur. Für einen normalen Fisch war das Ziehen viel zu stark, so dass Maui seine Brüder zur Hilfe rufen musste. Nach vielem Zerren und Ziehen kam ein Stück Land zum Vorschein: die Nordinsel (Te Ika a Maui = der Fisch des Maui). Dann haben die Brüder über den Besitz des neuen Landes rumgestritten und dabei mit ihren Waffen auf dem Land/Fisch rumgehauen. Dadurch sind die Berge und Täler auf dem Land entstanden und deshalb sieht die Nordinsel von der Form her auch nicht mehr so ganz wie ein Fisch aus.
Wellington ist übrigens der Fischkopf und die Südinsel ist das Kanu von Maui (Te Waka a Maui).

Insgesamt wurde ich von meinen Kollegen ganz doll und auch glaubhaft gelobt. Mir kamen ehrlich gesagt beim Abschied fast die Tränen, weil alle so herzlich waren. Aber das ist auch mein genereller Eindruck von Maori: super-nett, offen, großzügig, ehrlich und vor allem sehr herzlich.

Die letzen Tage waren ansonsten ziemlich stressig, aber jetzt habe ich alles auf die Reihe gekriegt. Am Samstag, also in 3 Tagen, geht es los auf die Südinsel und am Sonntag zieht auch direkt mein Nachfolger in die Wohnung ein. Mein Auto habe ich heute auch schon verkauft an einen anderen deutschen Studenten. Übergabe ist dann im Dezember.

So, morgen mach ich dann Laundry-Day und werde schon mal mit Zimmer ausräumen und packen anfangen….

Freitag, 5. Oktober 2007

Die Spargelsaison hat begonnen

Der letzte Monat ist eher ruhig verlaufen. Ich bin ziemlich fleißig, um alles rechtzeitig auf die Reihe zu bekommen. Das heißt, ich habe an meinem „Biopiray“ paper für meine bioethics-class geschrieben und auch die dazugehörige presentation gut überstanden. Ich war vor meinem Vortrag relativ besorgt, weil die Thematik kompliziert ist und der Professor einen gerne mal über einen winzigen Nebensatz, den man irgendwo ins paper geschrieben hat, ins Kreuzverhör nimmt. So war es dann auch bei mir.

Beim Maori Legal Services muss ich nur noch ein paar Stunden abreissen. Nächste Woche habe ich noch eine größere Sache anstehen: Ich spiele Lehrer und erzähle einem Haufen Maori-Teenies (ca. 20 Leute, 16 Jahre und älter) was über „Drugs, Alcohol and the Law“ und „How to deal with the police“. Das ganze 2 Stunden lang. Ich habe die kids gestern schon mal kennen gelernt, als ich einer Kollegin assistiert habe. Obwohl das überwiegend kleine Gangster sind und teilweise eher Hauptschul-niveau, sind sie doch sehr interessiert und machen gut mit.
Die Woche darauf rede ich über das gleiche Thema dann mit 12-16jährigen. Die ganze Sache ist auf jeden Fall mal eine weitere Herausforderung. Auch wenn ich ja grundsätzlich nicht so scharf darauf bin, vor mehr als 2 Leuten zu reden, habe ich das freiwillig angenommen, weil die Gelegenheit nun mal einmalig ist. Mal was anderes als im Büro Akten bearbeiten…

Ansonsten war ich die letzten Wochen nicht groß unterwegs. Ich habe einige kleinere Ausflüge rund um Wellington gemacht, aber war nie mehr als 30 km weg. Das große Umhergereise geht ja in 2-3 Wochen los. Meine Mitbewohner suchen jetzt schon eine/n Nachfolger für mein Zimmer.

Die letzten Wochenenden war ich auf einigen privaten Motto-Parties. Hier ist es sehr beliebt, dass man einer Party ein Thema gibt und ich suche dann immer krampfhaft im 2 dollar shop was für mein Outfit. Vorletztes Wochenende war eine „Pirates vs. Ninja“ Party und Claudis Cocktailparty (http://picasaweb.google.com/karsten.weigelt/CocktailParty) und letztes Wochenende war ich mit Sean auf einer gay „Cowboys and Bandits“ Party. Morgen bin ich auf einer „wear a hat“- party eingeladen. Wenn gerade nicht Party ist, geniesse ich im Moment eher gemütliches Beziehungsleben mit zu-hause-bleiben-und-einfach-nur-dvd-gucken und so.

Ach ja, und gestern war mal wieder ein größeres Erdbeben. Also nichts dramatisches, aber ich bin schon mächtig in meinem Bett hin- und hergewackelt.
Und: zumindest stagniert mein Gewicht gerade. Ich habe die ersten 7 Monate ja jeden Monat ein Kilo mehr gewogen. Leider ist das keine Muskelmasse, da ich das Fitnessstudio nicht so spannend finde. Naja, Stagnation ist schon mal super.

Samstag, 8. September 2007

Es wird Frühling

Die ersten 89 Stunden von 190 Stunden Praktikum beim Maori Legal Services habe ich jetzt schon geschafft. Die Atmosphäre ist so entspannt wie in einer Behörde, allerdings ohne das deutsche Hierarchie-gehabe. Meine Kolleginnen sind nett und offen und werden ständig von mir über die Maori Kultur ausgefragt. Ich finde den Maori Aspekt meines Praktikums sehr spannend. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass zum Anfang und Ende eines Team hui (=meeting) erstmal auf Maori gebetet wird. Oder bei einer Fortbildungsmaßnahme hat eine der vortragenden Maori Frauen erstmal als Intro ein Lied gesungen, das beinhaltet von welcher Gegend ihr Stamm kommt und welcher Fluß und Berg dort in der Nähe ist. Es ist schon sehr ungewöhnlich, so etwas in einem eigentlich formalem geschäftlichen Rahmen mitzuerleben. Diese Woche musste ich kurzfristig einen Vortrag halten über zwei konkrete Neuseeland-Gesetze. Ich hatte für den Vortrag 3 Wochen vorher eine Power-Point-Presentation für eine Kollegin vorbereitet. Die Kollegin fiel kurzfristig aus und ich musste mit 10 Minuten Vorbereitung einspringen und mich vor 20 Leute stellen, die für andere Beratungsservices arbeiten. Das hat mich ein bisschen an letztes Jahr San Francisco erinnert, wo ich plötzlich die Piratenbraut in nem Stück spielen musste, ohne vorher das Stück gelesen zu haben.

Die neueste Neuigkeit ist: ich habe jetzt ein Auto! Ein Nissan Bluebird 93 für 750 euro. Von aussen sieht es ein bisschen zerbeult und zerschrammt aus, aber soweit ich das beurteilen kann, ist sonst alles super. Hat Automatik, innen alles elektrisch, Klimaanlage, CD/MP3 player, 145 PS und fährt sich echt gut. Es ist wesentlich größer als ein Opel Astra. Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich das alles allein gemanagt habe. Ich habe das Auto einem chinesischen Studenten abgekauft, der jetzt wieder zurück nach China geht. Er hat mir noch 20 CDs mit aktueller chinesischer Popmusik überlassen, was sich ganz witzig anhört.

Ansonsten habe ich jetzt seit 1-2 Monaten ein neues girlfriend. Sie ist Taiwanesin, 25 und arbeitet an der Uni. Sie ist schon seit über 10 Jahren hier.

Meine Zeit hier in Wellington neigt sich dem Ende entgegen. Nur noch knapp 2 Monate, dann ziehe ich aus und reise auf die Südinsel. Bis dahin muss ich noch fleißig an meinem Paper schreiben und die restlichen 101 Stunden Internship abreissen.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Die Zeit verfliegt...

... und ich habe schon wieder seit über einen Monat nichts in meinen Blog geschrieben. Deshalb nun also eine Zusammenfassung der letzten Wochen:
In den Trimester-Ferien war ich mit Vera 10 Tage auf der Nordinsel unterwegs. Wir sind bis zum nördlichsten Punkt von Neuseeland gefahren. Die Highlights waren die riesigen Sanddünen im Norden und der Hotwater Beach in Coromandel. Das Gebiet auf dem sich die Sanddünen erstrecken ist riesig. Wir haben uns Sandboards ausgeliehen und sind dann darauf die Dünen runtergerutscht. Es war ein bisschen wie Schlitten fahren. An dem Hotwater Beach ist so eine Art heiße Quelle und bei Ebbe kann man sich ein Loch am Strand buddeln, was dann mit warmem Wasser vollläuft. Zwischendurch bin ich dann mal kurz ins Meer gerannt, aber auch ganz schnell wieder zurück zum warmen Loch. http://www.youtube.com/watch?v=1tN5gWUpr7A
Das Wetter war im Norden wesentlich wärmer als in Wellington, so dass wir sogar manchmal im T-shirt rumlaufen konnten. Wir waren auch kajaken im Bay of Islands und haben nicht gefroren, obwohl wir völlig durchnässt waren. Ein bisschen Glück mit der Sonne war auch dabei. Auckland fand ich nicht so berauschend und bin im nachhinein froh mich für Wellington entschieden zu haben. Zwar ist Auckland wesentlich größer, aber irgendwie hat die Stadt keinen Stil.

In Wellington war es die letzten Wochen mitunter ziemlich kalt. Dass es in Neuseeland keinen Winter gibt, ist ein Gerücht. In meiner Wohnung sehe ich oftmals meinen eigenen Atem (keine Ahnung bei welcher Temperatur das der Fall ist, 8 Grad ?) und ich schlafe manchmal mit Bettdecke, Schlafsack, Fleecedecke, Wärmflasche, Fleecesocken, langer Hose, Fleecepulli. Außerdem wurden wir die letzten Wochen häufig von unseren Mäusen auf Trab gehalten und nachts in unseren Zimmern besucht. Ich finde das echt nicht witzig. Bei jedem kleinsten Geräusch nachts, denke ich, dass ne Maus in meinem Zimmer ist. Da wir glauben, dass sie durch ein Loch beim Abfluss des Geschirrspülers ins Haus kommen, habe ich alle Öffnungen um den Geschirrspüler herum mit Klebeband abgeklebt. Die letzten 3 Tage habe ich keine Maus gesichtet.

Ansonsten finde ich es ganz gut, dass meine Freunde, die ich aus unterschiedlichen Lebensabschnitten kenne, alle gut miteinander klarkommen. Karsten – von meinem Studium in Rostock, Claudi – vom Referendariat in Dortmund, Vera – von meinem Aufenthalt in San Francisco und Matt – mein Kletterpartner. Wie Claudia letzten Sonntag beim Koch- und DVD-Abend treffend bemerkte: „Wie Familie.“ Und Sean, mein Mitbewohner, ist für mich natürlich nach wie vor sehr wichtig. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander und verstehen uns super. Unser neuer Mitbewohner Bryce hat sich noch nicht so eingefügt. Er ist sehr introvertiert und meistens in seinem Zimmer. Sean war deshalb auch sehr froh, als ich aus dem Urlaub zurückkam, weil es irgendwie doof ist, alleine in dem großen Wohnzimmer rumzusitzen. Wir haben beide das Gefühl, dass Bryce sich im Flatmate-Interview anders dargestellt hat, als er ist.

Die Arbeit an meinem 15 000 Worte Paper (ca. 50 Seiten) zieht sich in die Länge und so langsam weiß ich echt nicht mehr, was ich da noch reinschreiben soll. Dummerweise hab ich erst 10 000 Worte geschafft. Das Thema ist ja eigentlich interessant „E-mail monitoring in the workplace“ und ich vergleiche US, UK und NZ, aber nach ein paar Wochen hat man echt von jedem Thema genug und will nur noch fertig werden. Ich freue mich schon auf mein Praktikum beim Maori-Legal-Service, was ich Mitte August beginne.

Sonntag, 17. Juni 2007

Taupo, Waiotapu, Rotorua, White Island, Waitomo

Vor 2 Wochen habe ich mich für ein verlängertes Wochenende mit Carla (Chile), Christian (deutch-rumänish) und Zugi (Indonesien) auf den Weg gen Norden gemacht. Da Neuseeland eine geologisch sehr aktive Insel ist, haben wir hauptsächlich die geothermalen Naturschauspiele bewundert.

In Taupo waren wir bei den Craters of the Moon, was im wesentlichen ein Feld mit blubbernden Löchern war, aus denen es überall dampfte.
(mein video auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=hQwjbyAPooQ )
Die Huka Falls in Taupo waren nicht so beeindruckend, da der Wasserfall ziemlich klein war. In Waiotapu haben wir einen Geysir gesehen und waren in einem großen Gebiet mit seltsamen Erscheinungen unterwegs wie z.B. ein blubbernder Mud Pool.
http://www.youtube.com/watch?v=7Dptmc6OGGY
Überall begleitete uns Schwefelgeruch und leider auch Regen, was aber in dieses fast schon unwirkliche Naturszenario gut reinpasste.


Abends waren wir dann in Rotorua im Polynesian Spa in den Hot Pools. Das Spa war direkt am See gelegen und auch dort war überall dieser Schwefeldampf, der aus irgendwelchen Erdlöchern hervorquoll. Während wir also in den ziemlich heißen Hot Pools rumhingen und die Aussicht auf den See genossen, hat es von oben in Strömen geregnet, was total erfrischend war.

Später am Abend bin ich dann noch mit Carla in ein (nachgemachtes) Maori Dorf gefahren und wir haben uns den Bauch mit Hangi vollgeschlagen. Hangi ist Maori Essen, das mehrere Stunden über Feuer im Erdloch gekocht wird und sehr lecker ist. Außerdem wurden noch einige Maori Tänze vorgeführt, was etwas touristisch aber ganz nett war.


Am Sonntag bin ich dann mit Carla auf eine kleine Insel mit einem noch aktiven Vulkan gefahren (White Island, letzter Ausbruch 2000). Weil der Vulkan ja theoretisch jeden Moment wieder ausbrechen könnte mussten wir auf der Insel mit Helm rumrennen und wegen der nicht so gesunden Gase bei Bedarf eine Gasmaske tragen. Wenn man in den brodelnden Krater runtergeguckt hat, war die Maske auch notwendig.
http://www.youtube.com/watch?v=-QSn0A7XgsI
An diesem Tag hatten wir super Sonnenschein, so dass auch die mehrstündige Bootsfahrt zur Insel ganz angenehm war.


Am Montag waren wir noch kurz im Burried Village in Rotorua, ein Maori-Dorf was vom Vulkanausbruch (ein anderer Vulkan, nicht der von der Insel) überrascht wurde und sozusagen begraben wurde. Pompeji ist in der Hinsicht allerdings nicht zu übertreffen. Dann sind wir weiter nach Waitomo gefahren. Dieser Ort ist bekannt für die sogenannten Glowwormcaves. Da durch die Höhlen ein Fluss fließt, sind die ganzen Glühwürmer an den Höhlendecken und knipsen ihr Licht an, um Fliegen zu fangen. Da wir erst im dunkeln ankamen (ab 5 pm ist es nun mal schon stockduster), sind Carla, Zugi und ich mit einem Handy bewaffnet bei den Höhlen umhergewandert. Die richtig großen Höhlen waren natürlich verschlossen, aber wir sind auf einem Wanderweg in eine kleinere Höhle gelangt und haben auf dem Weg und in der Höhle Glühwürmer gesehen. Die Nachtwanderung war sehr spannend, da der Pfad ziemlich schmal war und es teilweise am Rand steil bergab ging. Außerdem hat man hin und wieder einen Wasserfall gehört, aber nichts gesehen, weil das Licht vom Handy und der Mond dafür nicht ausgereicht haben. Auch die Ausmaße der Höhle konnten wir nur erahnen. Am nächsten Morgen sind wir dann gegen Geld in 2 „offizielle“ Höhlen mit Stalagniten und Stalagtiten und ganz vielen Glühwürmern gegangen. Insgesamt war es ein sehr schöner Kurztrip und die Stimmung in der Gruppe war immer gut, so dass im Auto eigentlich die ganze Zeit gesungen wurde.

Fotos: http://www.flickr.com/photos/52466173@N00/

Sonntag, 27. Mai 2007

Ich bin hier auch manchmal fleißig...

Bevor hier irgendwie der falsche Eindruck entsteht, dass ich nur Urlaub mache, dachte ich mir: poste ich mal ein Foto von meinem Schreibtisch, an dem ich sehr viel Zeit verbringe.
Ich habe morgen meine letzte Kursstunde für dieses Trimester und sitze die nächsten Wochen hauptsächlich am Computer und schreibe an meinen papern.

Einige Ereignisse der letzten Wochen:
Meine Mitbewohner hatten eine Auseinandersetzung und Jason, der Maori, zieht nun leider aus. Ich komme ja mit beiden sehr gut klar, aber offenbar sind beide zu verschieden, um miteinander zurechtzukommen. Die letzten Tage haben wir daher einige Mitbewohner-Bewerber interviewt, aber noch keine Entscheidung getroffen.

Dann hatte ich noch einige Begegnungen mit einer Maus. Allerdings war es diesmal nicht Jerry, weil die Maus etwas größer und grauer war. Das erste Mal ist sie, während wir DVD geguckt haben, quer durchs Wohnzimmer gelaufen. Das fand ich noch nicht so dramatisch. Beunruhigender war es, als ich mit meinem Laptop auf meinem Bett saß und die Maus durch mein Zimmer lief. Ich habe sie dann mit Sean, der aufgrund meines Gekreisches herbeigeeilt war, in den Flur getrieben. Der Höhepunkt war allerdings, als ich auf Toilette ging, gerade 3 Sekunden auf Klo saß und dann die Maus von hinter der Toilette zwischen meinen Beinen durchlief. Ich hab natürlich rumgeschrien und die Maus ist auf den 2 qm panisch hin und her gerannt. Nachdem ich die Klotür aufgemacht hatte und sie im Wohnzimmer verschwunden war, beschloss ich eine Mausefalle zu kaufen. Seitdem steht die Mausefalle jungfräulich hinter dem Kühlschrank und die Maus wurde nicht mehr gesehen.

An der Uni hatte ich auch bereits ein sehr positives Erfolgserlebnis: eine meiner Präsentationen (1 h lang) ist super gelaufen, alles hat hervorragend geklappt und ich habe auf alle Fragen gut antworten können. Diese Präsentation war mir auch wichtig, da es in meinem Lieblingskurs - Human Rights - war und ich mich nicht vor den ganzen Kiwis blamieren wollte. Meine Kursleiterin war total von mir beeindruckt und vor allem von meinem Englisch, dass nach ihren Angaben besser war als das von einigen Kiwis. Außerdem meinte sie, dass es die beste Präsentation so weit war (ca. 8 Kiwis waren vor mir dran und auch echt gut) und hat meinen good sense of humor gelobt. Ja, ich war auch noch witzig obendrein. Ich denke, das war der Höhepunkt meines Masterstudiums.

Vor 2 Wochen war ich bei einem sehr beeindruckenden Theaterstück. Es war größtenteils auf Maori und handelte von einem jungen rebellischen Maori Gott. Es beinhaltete viel Seilakrobatik, Tanz und Gesang und es wurden tolle Bühnenbilder gestaltet. Es war das qualitativ beste Stück, das ich bisher gesehen habe. Am bewegendsten war allerdings als nach der Show während des Applauses einzelne Personen auf Maori sangen. Es klang für mich erst wie ein Klagegesang, aber Jason erklärte mir, dass Vertreter von verschiedenen Stämmen auf diese Weise ihre Anerkennung zeigen. Diese spontanen Gesänge haben ein gewisses Gänsehautgefühl hervorgerufen.

Ansonsten habe ich hier so meinen normalen Alltag mit tagsüber fleißig sein und abends zu hause mit meinen Mitbewohnern rumhängen oder Sport machen oder weggehen. Und ich bin seit 3-4 Wochen wieder Single.

Das Wetter ist zurzeit noch okay, dafür dass Winter ist. Leider ist es aber schon um 17.00 Uhr stockduster. Wegen nicht vorhandener Isolation des Hauses ist es drinnen ja immer nur ein paar Grad wärmer als draussen. Eben habe ich daher gerade mit Thermo-unterhose und Hose, 2 superdicken Fleece-pullis und Wärmflasche vorm Fernseher gesessen. Im Gegensatz dazu trägt Jason immer noch Shorts und tut so als wäre Sommer und die anderen Jungs rennen auch im T-shirt in der Wohnung rum. Wenn man ohne Heizung aufwächst ist das eben anders.

Dienstag, 24. April 2007

Meine Osterferien in Aussie-land

Da meine Osterferien meine längsten Ferien hier sind und ich unbedingt noch einmal richtigen Sommer vor dem Winter haben wollte, bin ich für 2 ½ Wochen nach Australien geflogen. Zunächst bin ich mit Thilo, meinem ehemaligen Mitbewohner, der gerade in Brisbane studiert, 9 Tage lang von Brisbane aus gen Norden Richtung Cairns gefahren. Wir haben die Entfernungen etwas unterschätzt und in den 9 Tagen 4 000 km zurückgelegt.

Die erste Nacht hat mich die Tierwelt sehr irritiert. Wir haben im Auto in Strandnähe geschlafen und über uns sind die Flughunde von Palme zu Palme geflattert. Als ich die öffentlichen Strandtoiletten betrat, sind erstmal 10 Geckos aufgeschreckt hin und her gerannt. Während ich das am Anfang echt nicht witzig fand, habe ich mich im Laufe der Reise ganz gut an die Tiere gewöhnt und fand die Geckos am Ende sogar irgendwie ganz niedlich. Aber nur die ganz kleinen. Die 1 m lange Riesenechse, die meinen Weg kreuzte, hat mich dann doch mehr an einen Mini-Dinosaurier erinnert.

Auf unserer Reise haben wir auch die Whitsunday Islands besucht. Das ist eine Inselgruppe mit ungefähr 74 Inseln und traumhaften Stränden. Wir sind da ein bisschen rumgeschnorchelt. Wenn man Brot in die Hand genommen hat, sind sofort ganz viele Fische angekommen und haben daran geknabbert. Als plötzlich ein etwas größerer Fisch bei mir ankam, habe ich das Brot allerdings sofort fallen gelassen. Weiter nördlich konnte man leider nur mit einem Stinger Suit baden gehen, weil die jelly box fishes und marine stinger dort noch waren und es echt böse Folgen hat (sogar tödliche), wenn man damit in Berührung kommt.
Wir haben es nicht ganz bis Cairns geschafft, sondern nur bis 100 km davor zum Mission Beach. Dort ist es bereits richtig tropisch und wir haben ein paar Spaziergänge im Regenwald gemacht. Da ich die Pflanzenwelt dort so beeindruckend fand, deklariere ich das hiermit zu meinem schönsten Ferienerlebnis.
Überhaupt fand ich die Pflanzen und Blumen in Australien total toll. Überall haben Hibisusse geblüht und Strelitzien wachsen dort am Straßenrand. Außerdem sind dort bunte Sittiche und Kakadus umher geflogen.


Einen Tag sind wir dann auch noch mit einem ziemlich großen Schiff zum Great Barrier Reef rausgefahren. Nachdem weiter nördlich unsere geplante Tour wegen zu starkem Wind gecancelt wurde, waren wir ganz froh, dann doch noch rausfahren zu können. Der Wellengang (3m hohe Wellen) war trotz der Größe des Schiffes stark zu merken. Fast alle Leute haben Tabletten gegen Übelkeit eingeworfen (wir auch) und es wurden Spucktüten verteilt. Während Thilo dann am Reef tauchen war, bin ich nur umhergeschnorchelt. Allerdings hat man letztendlich beim tauchen auch nicht mehr gesehen als beim Schnorcheln, da das Riff ja teilweise nur 30 cm unter der Wasseroberfläche war. Die vielen unterschiedlichen Korallenarten und die Fische waren sehr beeindruckend. Ich habe auch Nemo gesehen und einige andere bunte Fische, die ich aus dem Salzwasserbecken in großen Tierhandlungen kenne.

Da Thilo eine Woche weniger Ferien hatte als ich, habe ich zum ersten Mal eine Woche alleine Urlaub gemacht. Ich bin nach Byron Bay gefahren und habe dort in einem sehr untypischen Hostel gewohnt (artsfactory). Es gab dort einen tollen Swimmingpool, Whirlpool, Sauna, Tischtennis, Billiard, Kicker, ein Kino, jeden Tag Jonglier-workshop und Yoga, Talentshow, Fireshow usw. Es war also nicht sehr schwierig dort Leute kennenzulernen. Byron Bay ist ein total schöner kleiner Ort, der fürs Surfen bekannt ist. Ich habe mich dann auch im Surfen versucht und einen Tag Surfunterricht genommen. Es war sehr anstrengend, sich immer wieder gegen die Wellen rauszukämpfen. Ein paar mal hat es aber ganz gut geklappt und ich bin auf dem Brett stehengeblieben.
Da ich während meines Urlaubs entweder in Thilos Auto oder in 6-8 Personen Zimmern in Hostels geschlafen habe, habe ich für Übernachtungen nicht zuviel Geld verschwendet.

Es war echt gut mal aus dem Studienalltag rauszukommen und nicht nur an die Hausarbeiten und Präsentationen zu denken. Außerdem habe ich viele interessante Leute kennengelernt und immer tolles Wetter (meistens bis zu 30 Grad tagsüber) gehabt. Für einen Urlaub in Australien sollte man sich allerdings ein paar Monate Zeit nehmen. Es gibt dort so viel zu sehen und zu machen, dass ich gerne länger geblieben wäre.

Mehr Fotos: http://www.flickr.com/photos/52466173@N00/