Mittwoch, 17. Oktober 2007

Finished and Sorted!


Gestern habe ich mein letztes paper abgegeben und heute meinen letzten Tag im Maori Legal Services gehabt. Das heißt: Fertig!!!

Da wir gestern Nachmittag noch „Drinks and Nibbles“ in (und sponsored by) der Law School hatten, war ich erst gegen Mitternacht imstande einen Kuchen zu backen. Hat aber geklappt und ich konnte den Kuchen dann zum Abschieds-Morning-Tea im Office präsentieren. Nerissa, eine Kollegin hatte auch noch eine Schokotorte mit Erdbeeren besorgt. Dann musste ich ne Rede halten, danach hat eine Kollegin ne Rede auf mich gehalten, dann wurde gebetet und dann konnte endlich der Kuchen angeschnitten werden. Der Höhepunkt war dann, dass Nerissa eine Kette, die sie trug, abnahm und mir gab und mir alles Gute für die Zukunft wünschte. Ich war zunächst verwirrt, weil ich dachte, sie würde mir jetzt ihre eigene Kette schenken. Daraufhin wurde mir erklärt, dass die Kette, bevor sie übergeben wird, vom Herzen angewärmt werden muss. Deshalb hat Nerissa sie sich ne halbe Stunde vorher umgehängt und der Anhänger war dann auch wirklich warm als ich die Kette umgehängt bekam. Der Anhänger ist dem traditionellen Angelhaken nachempfunden. Als ich dann bemerkte, dass das ja „Save Travel“ bedeutet, laut den Touri-shops waren meine Kollegen amüsiert und haben mir den „wahren“ Hintergrund erzählt. Da es offenbar eine der wichtigsten Maori Legenden ist, erzähle ich sie auch euch… drum gebt fein acht…:

Maui, einTyp – halb Gott, halb Mensch – war mit seinen Brüdern im Kanu (waka) voll weit draussen aufm Meer. Dann hat er seinen Zauber-Angelhaken ausgeworfen und nach kurzer Zeit zog etwas an der Angelschnur. Für einen normalen Fisch war das Ziehen viel zu stark, so dass Maui seine Brüder zur Hilfe rufen musste. Nach vielem Zerren und Ziehen kam ein Stück Land zum Vorschein: die Nordinsel (Te Ika a Maui = der Fisch des Maui). Dann haben die Brüder über den Besitz des neuen Landes rumgestritten und dabei mit ihren Waffen auf dem Land/Fisch rumgehauen. Dadurch sind die Berge und Täler auf dem Land entstanden und deshalb sieht die Nordinsel von der Form her auch nicht mehr so ganz wie ein Fisch aus.
Wellington ist übrigens der Fischkopf und die Südinsel ist das Kanu von Maui (Te Waka a Maui).

Insgesamt wurde ich von meinen Kollegen ganz doll und auch glaubhaft gelobt. Mir kamen ehrlich gesagt beim Abschied fast die Tränen, weil alle so herzlich waren. Aber das ist auch mein genereller Eindruck von Maori: super-nett, offen, großzügig, ehrlich und vor allem sehr herzlich.

Die letzen Tage waren ansonsten ziemlich stressig, aber jetzt habe ich alles auf die Reihe gekriegt. Am Samstag, also in 3 Tagen, geht es los auf die Südinsel und am Sonntag zieht auch direkt mein Nachfolger in die Wohnung ein. Mein Auto habe ich heute auch schon verkauft an einen anderen deutschen Studenten. Übergabe ist dann im Dezember.

So, morgen mach ich dann Laundry-Day und werde schon mal mit Zimmer ausräumen und packen anfangen….

Freitag, 5. Oktober 2007

Die Spargelsaison hat begonnen

Der letzte Monat ist eher ruhig verlaufen. Ich bin ziemlich fleißig, um alles rechtzeitig auf die Reihe zu bekommen. Das heißt, ich habe an meinem „Biopiray“ paper für meine bioethics-class geschrieben und auch die dazugehörige presentation gut überstanden. Ich war vor meinem Vortrag relativ besorgt, weil die Thematik kompliziert ist und der Professor einen gerne mal über einen winzigen Nebensatz, den man irgendwo ins paper geschrieben hat, ins Kreuzverhör nimmt. So war es dann auch bei mir.

Beim Maori Legal Services muss ich nur noch ein paar Stunden abreissen. Nächste Woche habe ich noch eine größere Sache anstehen: Ich spiele Lehrer und erzähle einem Haufen Maori-Teenies (ca. 20 Leute, 16 Jahre und älter) was über „Drugs, Alcohol and the Law“ und „How to deal with the police“. Das ganze 2 Stunden lang. Ich habe die kids gestern schon mal kennen gelernt, als ich einer Kollegin assistiert habe. Obwohl das überwiegend kleine Gangster sind und teilweise eher Hauptschul-niveau, sind sie doch sehr interessiert und machen gut mit.
Die Woche darauf rede ich über das gleiche Thema dann mit 12-16jährigen. Die ganze Sache ist auf jeden Fall mal eine weitere Herausforderung. Auch wenn ich ja grundsätzlich nicht so scharf darauf bin, vor mehr als 2 Leuten zu reden, habe ich das freiwillig angenommen, weil die Gelegenheit nun mal einmalig ist. Mal was anderes als im Büro Akten bearbeiten…

Ansonsten war ich die letzten Wochen nicht groß unterwegs. Ich habe einige kleinere Ausflüge rund um Wellington gemacht, aber war nie mehr als 30 km weg. Das große Umhergereise geht ja in 2-3 Wochen los. Meine Mitbewohner suchen jetzt schon eine/n Nachfolger für mein Zimmer.

Die letzten Wochenenden war ich auf einigen privaten Motto-Parties. Hier ist es sehr beliebt, dass man einer Party ein Thema gibt und ich suche dann immer krampfhaft im 2 dollar shop was für mein Outfit. Vorletztes Wochenende war eine „Pirates vs. Ninja“ Party und Claudis Cocktailparty (http://picasaweb.google.com/karsten.weigelt/CocktailParty) und letztes Wochenende war ich mit Sean auf einer gay „Cowboys and Bandits“ Party. Morgen bin ich auf einer „wear a hat“- party eingeladen. Wenn gerade nicht Party ist, geniesse ich im Moment eher gemütliches Beziehungsleben mit zu-hause-bleiben-und-einfach-nur-dvd-gucken und so.

Ach ja, und gestern war mal wieder ein größeres Erdbeben. Also nichts dramatisches, aber ich bin schon mächtig in meinem Bett hin- und hergewackelt.
Und: zumindest stagniert mein Gewicht gerade. Ich habe die ersten 7 Monate ja jeden Monat ein Kilo mehr gewogen. Leider ist das keine Muskelmasse, da ich das Fitnessstudio nicht so spannend finde. Naja, Stagnation ist schon mal super.

Samstag, 8. September 2007

Es wird Frühling

Die ersten 89 Stunden von 190 Stunden Praktikum beim Maori Legal Services habe ich jetzt schon geschafft. Die Atmosphäre ist so entspannt wie in einer Behörde, allerdings ohne das deutsche Hierarchie-gehabe. Meine Kolleginnen sind nett und offen und werden ständig von mir über die Maori Kultur ausgefragt. Ich finde den Maori Aspekt meines Praktikums sehr spannend. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass zum Anfang und Ende eines Team hui (=meeting) erstmal auf Maori gebetet wird. Oder bei einer Fortbildungsmaßnahme hat eine der vortragenden Maori Frauen erstmal als Intro ein Lied gesungen, das beinhaltet von welcher Gegend ihr Stamm kommt und welcher Fluß und Berg dort in der Nähe ist. Es ist schon sehr ungewöhnlich, so etwas in einem eigentlich formalem geschäftlichen Rahmen mitzuerleben. Diese Woche musste ich kurzfristig einen Vortrag halten über zwei konkrete Neuseeland-Gesetze. Ich hatte für den Vortrag 3 Wochen vorher eine Power-Point-Presentation für eine Kollegin vorbereitet. Die Kollegin fiel kurzfristig aus und ich musste mit 10 Minuten Vorbereitung einspringen und mich vor 20 Leute stellen, die für andere Beratungsservices arbeiten. Das hat mich ein bisschen an letztes Jahr San Francisco erinnert, wo ich plötzlich die Piratenbraut in nem Stück spielen musste, ohne vorher das Stück gelesen zu haben.

Die neueste Neuigkeit ist: ich habe jetzt ein Auto! Ein Nissan Bluebird 93 für 750 euro. Von aussen sieht es ein bisschen zerbeult und zerschrammt aus, aber soweit ich das beurteilen kann, ist sonst alles super. Hat Automatik, innen alles elektrisch, Klimaanlage, CD/MP3 player, 145 PS und fährt sich echt gut. Es ist wesentlich größer als ein Opel Astra. Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich das alles allein gemanagt habe. Ich habe das Auto einem chinesischen Studenten abgekauft, der jetzt wieder zurück nach China geht. Er hat mir noch 20 CDs mit aktueller chinesischer Popmusik überlassen, was sich ganz witzig anhört.

Ansonsten habe ich jetzt seit 1-2 Monaten ein neues girlfriend. Sie ist Taiwanesin, 25 und arbeitet an der Uni. Sie ist schon seit über 10 Jahren hier.

Meine Zeit hier in Wellington neigt sich dem Ende entgegen. Nur noch knapp 2 Monate, dann ziehe ich aus und reise auf die Südinsel. Bis dahin muss ich noch fleißig an meinem Paper schreiben und die restlichen 101 Stunden Internship abreissen.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Die Zeit verfliegt...

... und ich habe schon wieder seit über einen Monat nichts in meinen Blog geschrieben. Deshalb nun also eine Zusammenfassung der letzten Wochen:
In den Trimester-Ferien war ich mit Vera 10 Tage auf der Nordinsel unterwegs. Wir sind bis zum nördlichsten Punkt von Neuseeland gefahren. Die Highlights waren die riesigen Sanddünen im Norden und der Hotwater Beach in Coromandel. Das Gebiet auf dem sich die Sanddünen erstrecken ist riesig. Wir haben uns Sandboards ausgeliehen und sind dann darauf die Dünen runtergerutscht. Es war ein bisschen wie Schlitten fahren. An dem Hotwater Beach ist so eine Art heiße Quelle und bei Ebbe kann man sich ein Loch am Strand buddeln, was dann mit warmem Wasser vollläuft. Zwischendurch bin ich dann mal kurz ins Meer gerannt, aber auch ganz schnell wieder zurück zum warmen Loch. http://www.youtube.com/watch?v=1tN5gWUpr7A
Das Wetter war im Norden wesentlich wärmer als in Wellington, so dass wir sogar manchmal im T-shirt rumlaufen konnten. Wir waren auch kajaken im Bay of Islands und haben nicht gefroren, obwohl wir völlig durchnässt waren. Ein bisschen Glück mit der Sonne war auch dabei. Auckland fand ich nicht so berauschend und bin im nachhinein froh mich für Wellington entschieden zu haben. Zwar ist Auckland wesentlich größer, aber irgendwie hat die Stadt keinen Stil.

In Wellington war es die letzten Wochen mitunter ziemlich kalt. Dass es in Neuseeland keinen Winter gibt, ist ein Gerücht. In meiner Wohnung sehe ich oftmals meinen eigenen Atem (keine Ahnung bei welcher Temperatur das der Fall ist, 8 Grad ?) und ich schlafe manchmal mit Bettdecke, Schlafsack, Fleecedecke, Wärmflasche, Fleecesocken, langer Hose, Fleecepulli. Außerdem wurden wir die letzten Wochen häufig von unseren Mäusen auf Trab gehalten und nachts in unseren Zimmern besucht. Ich finde das echt nicht witzig. Bei jedem kleinsten Geräusch nachts, denke ich, dass ne Maus in meinem Zimmer ist. Da wir glauben, dass sie durch ein Loch beim Abfluss des Geschirrspülers ins Haus kommen, habe ich alle Öffnungen um den Geschirrspüler herum mit Klebeband abgeklebt. Die letzten 3 Tage habe ich keine Maus gesichtet.

Ansonsten finde ich es ganz gut, dass meine Freunde, die ich aus unterschiedlichen Lebensabschnitten kenne, alle gut miteinander klarkommen. Karsten – von meinem Studium in Rostock, Claudi – vom Referendariat in Dortmund, Vera – von meinem Aufenthalt in San Francisco und Matt – mein Kletterpartner. Wie Claudia letzten Sonntag beim Koch- und DVD-Abend treffend bemerkte: „Wie Familie.“ Und Sean, mein Mitbewohner, ist für mich natürlich nach wie vor sehr wichtig. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander und verstehen uns super. Unser neuer Mitbewohner Bryce hat sich noch nicht so eingefügt. Er ist sehr introvertiert und meistens in seinem Zimmer. Sean war deshalb auch sehr froh, als ich aus dem Urlaub zurückkam, weil es irgendwie doof ist, alleine in dem großen Wohnzimmer rumzusitzen. Wir haben beide das Gefühl, dass Bryce sich im Flatmate-Interview anders dargestellt hat, als er ist.

Die Arbeit an meinem 15 000 Worte Paper (ca. 50 Seiten) zieht sich in die Länge und so langsam weiß ich echt nicht mehr, was ich da noch reinschreiben soll. Dummerweise hab ich erst 10 000 Worte geschafft. Das Thema ist ja eigentlich interessant „E-mail monitoring in the workplace“ und ich vergleiche US, UK und NZ, aber nach ein paar Wochen hat man echt von jedem Thema genug und will nur noch fertig werden. Ich freue mich schon auf mein Praktikum beim Maori-Legal-Service, was ich Mitte August beginne.

Sonntag, 17. Juni 2007

Taupo, Waiotapu, Rotorua, White Island, Waitomo

Vor 2 Wochen habe ich mich für ein verlängertes Wochenende mit Carla (Chile), Christian (deutch-rumänish) und Zugi (Indonesien) auf den Weg gen Norden gemacht. Da Neuseeland eine geologisch sehr aktive Insel ist, haben wir hauptsächlich die geothermalen Naturschauspiele bewundert.

In Taupo waren wir bei den Craters of the Moon, was im wesentlichen ein Feld mit blubbernden Löchern war, aus denen es überall dampfte.
(mein video auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=hQwjbyAPooQ )
Die Huka Falls in Taupo waren nicht so beeindruckend, da der Wasserfall ziemlich klein war. In Waiotapu haben wir einen Geysir gesehen und waren in einem großen Gebiet mit seltsamen Erscheinungen unterwegs wie z.B. ein blubbernder Mud Pool.
http://www.youtube.com/watch?v=7Dptmc6OGGY
Überall begleitete uns Schwefelgeruch und leider auch Regen, was aber in dieses fast schon unwirkliche Naturszenario gut reinpasste.


Abends waren wir dann in Rotorua im Polynesian Spa in den Hot Pools. Das Spa war direkt am See gelegen und auch dort war überall dieser Schwefeldampf, der aus irgendwelchen Erdlöchern hervorquoll. Während wir also in den ziemlich heißen Hot Pools rumhingen und die Aussicht auf den See genossen, hat es von oben in Strömen geregnet, was total erfrischend war.

Später am Abend bin ich dann noch mit Carla in ein (nachgemachtes) Maori Dorf gefahren und wir haben uns den Bauch mit Hangi vollgeschlagen. Hangi ist Maori Essen, das mehrere Stunden über Feuer im Erdloch gekocht wird und sehr lecker ist. Außerdem wurden noch einige Maori Tänze vorgeführt, was etwas touristisch aber ganz nett war.


Am Sonntag bin ich dann mit Carla auf eine kleine Insel mit einem noch aktiven Vulkan gefahren (White Island, letzter Ausbruch 2000). Weil der Vulkan ja theoretisch jeden Moment wieder ausbrechen könnte mussten wir auf der Insel mit Helm rumrennen und wegen der nicht so gesunden Gase bei Bedarf eine Gasmaske tragen. Wenn man in den brodelnden Krater runtergeguckt hat, war die Maske auch notwendig.
http://www.youtube.com/watch?v=-QSn0A7XgsI
An diesem Tag hatten wir super Sonnenschein, so dass auch die mehrstündige Bootsfahrt zur Insel ganz angenehm war.


Am Montag waren wir noch kurz im Burried Village in Rotorua, ein Maori-Dorf was vom Vulkanausbruch (ein anderer Vulkan, nicht der von der Insel) überrascht wurde und sozusagen begraben wurde. Pompeji ist in der Hinsicht allerdings nicht zu übertreffen. Dann sind wir weiter nach Waitomo gefahren. Dieser Ort ist bekannt für die sogenannten Glowwormcaves. Da durch die Höhlen ein Fluss fließt, sind die ganzen Glühwürmer an den Höhlendecken und knipsen ihr Licht an, um Fliegen zu fangen. Da wir erst im dunkeln ankamen (ab 5 pm ist es nun mal schon stockduster), sind Carla, Zugi und ich mit einem Handy bewaffnet bei den Höhlen umhergewandert. Die richtig großen Höhlen waren natürlich verschlossen, aber wir sind auf einem Wanderweg in eine kleinere Höhle gelangt und haben auf dem Weg und in der Höhle Glühwürmer gesehen. Die Nachtwanderung war sehr spannend, da der Pfad ziemlich schmal war und es teilweise am Rand steil bergab ging. Außerdem hat man hin und wieder einen Wasserfall gehört, aber nichts gesehen, weil das Licht vom Handy und der Mond dafür nicht ausgereicht haben. Auch die Ausmaße der Höhle konnten wir nur erahnen. Am nächsten Morgen sind wir dann gegen Geld in 2 „offizielle“ Höhlen mit Stalagniten und Stalagtiten und ganz vielen Glühwürmern gegangen. Insgesamt war es ein sehr schöner Kurztrip und die Stimmung in der Gruppe war immer gut, so dass im Auto eigentlich die ganze Zeit gesungen wurde.

Fotos: http://www.flickr.com/photos/52466173@N00/

Sonntag, 27. Mai 2007

Ich bin hier auch manchmal fleißig...

Bevor hier irgendwie der falsche Eindruck entsteht, dass ich nur Urlaub mache, dachte ich mir: poste ich mal ein Foto von meinem Schreibtisch, an dem ich sehr viel Zeit verbringe.
Ich habe morgen meine letzte Kursstunde für dieses Trimester und sitze die nächsten Wochen hauptsächlich am Computer und schreibe an meinen papern.

Einige Ereignisse der letzten Wochen:
Meine Mitbewohner hatten eine Auseinandersetzung und Jason, der Maori, zieht nun leider aus. Ich komme ja mit beiden sehr gut klar, aber offenbar sind beide zu verschieden, um miteinander zurechtzukommen. Die letzten Tage haben wir daher einige Mitbewohner-Bewerber interviewt, aber noch keine Entscheidung getroffen.

Dann hatte ich noch einige Begegnungen mit einer Maus. Allerdings war es diesmal nicht Jerry, weil die Maus etwas größer und grauer war. Das erste Mal ist sie, während wir DVD geguckt haben, quer durchs Wohnzimmer gelaufen. Das fand ich noch nicht so dramatisch. Beunruhigender war es, als ich mit meinem Laptop auf meinem Bett saß und die Maus durch mein Zimmer lief. Ich habe sie dann mit Sean, der aufgrund meines Gekreisches herbeigeeilt war, in den Flur getrieben. Der Höhepunkt war allerdings, als ich auf Toilette ging, gerade 3 Sekunden auf Klo saß und dann die Maus von hinter der Toilette zwischen meinen Beinen durchlief. Ich hab natürlich rumgeschrien und die Maus ist auf den 2 qm panisch hin und her gerannt. Nachdem ich die Klotür aufgemacht hatte und sie im Wohnzimmer verschwunden war, beschloss ich eine Mausefalle zu kaufen. Seitdem steht die Mausefalle jungfräulich hinter dem Kühlschrank und die Maus wurde nicht mehr gesehen.

An der Uni hatte ich auch bereits ein sehr positives Erfolgserlebnis: eine meiner Präsentationen (1 h lang) ist super gelaufen, alles hat hervorragend geklappt und ich habe auf alle Fragen gut antworten können. Diese Präsentation war mir auch wichtig, da es in meinem Lieblingskurs - Human Rights - war und ich mich nicht vor den ganzen Kiwis blamieren wollte. Meine Kursleiterin war total von mir beeindruckt und vor allem von meinem Englisch, dass nach ihren Angaben besser war als das von einigen Kiwis. Außerdem meinte sie, dass es die beste Präsentation so weit war (ca. 8 Kiwis waren vor mir dran und auch echt gut) und hat meinen good sense of humor gelobt. Ja, ich war auch noch witzig obendrein. Ich denke, das war der Höhepunkt meines Masterstudiums.

Vor 2 Wochen war ich bei einem sehr beeindruckenden Theaterstück. Es war größtenteils auf Maori und handelte von einem jungen rebellischen Maori Gott. Es beinhaltete viel Seilakrobatik, Tanz und Gesang und es wurden tolle Bühnenbilder gestaltet. Es war das qualitativ beste Stück, das ich bisher gesehen habe. Am bewegendsten war allerdings als nach der Show während des Applauses einzelne Personen auf Maori sangen. Es klang für mich erst wie ein Klagegesang, aber Jason erklärte mir, dass Vertreter von verschiedenen Stämmen auf diese Weise ihre Anerkennung zeigen. Diese spontanen Gesänge haben ein gewisses Gänsehautgefühl hervorgerufen.

Ansonsten habe ich hier so meinen normalen Alltag mit tagsüber fleißig sein und abends zu hause mit meinen Mitbewohnern rumhängen oder Sport machen oder weggehen. Und ich bin seit 3-4 Wochen wieder Single.

Das Wetter ist zurzeit noch okay, dafür dass Winter ist. Leider ist es aber schon um 17.00 Uhr stockduster. Wegen nicht vorhandener Isolation des Hauses ist es drinnen ja immer nur ein paar Grad wärmer als draussen. Eben habe ich daher gerade mit Thermo-unterhose und Hose, 2 superdicken Fleece-pullis und Wärmflasche vorm Fernseher gesessen. Im Gegensatz dazu trägt Jason immer noch Shorts und tut so als wäre Sommer und die anderen Jungs rennen auch im T-shirt in der Wohnung rum. Wenn man ohne Heizung aufwächst ist das eben anders.

Dienstag, 24. April 2007

Meine Osterferien in Aussie-land

Da meine Osterferien meine längsten Ferien hier sind und ich unbedingt noch einmal richtigen Sommer vor dem Winter haben wollte, bin ich für 2 ½ Wochen nach Australien geflogen. Zunächst bin ich mit Thilo, meinem ehemaligen Mitbewohner, der gerade in Brisbane studiert, 9 Tage lang von Brisbane aus gen Norden Richtung Cairns gefahren. Wir haben die Entfernungen etwas unterschätzt und in den 9 Tagen 4 000 km zurückgelegt.

Die erste Nacht hat mich die Tierwelt sehr irritiert. Wir haben im Auto in Strandnähe geschlafen und über uns sind die Flughunde von Palme zu Palme geflattert. Als ich die öffentlichen Strandtoiletten betrat, sind erstmal 10 Geckos aufgeschreckt hin und her gerannt. Während ich das am Anfang echt nicht witzig fand, habe ich mich im Laufe der Reise ganz gut an die Tiere gewöhnt und fand die Geckos am Ende sogar irgendwie ganz niedlich. Aber nur die ganz kleinen. Die 1 m lange Riesenechse, die meinen Weg kreuzte, hat mich dann doch mehr an einen Mini-Dinosaurier erinnert.

Auf unserer Reise haben wir auch die Whitsunday Islands besucht. Das ist eine Inselgruppe mit ungefähr 74 Inseln und traumhaften Stränden. Wir sind da ein bisschen rumgeschnorchelt. Wenn man Brot in die Hand genommen hat, sind sofort ganz viele Fische angekommen und haben daran geknabbert. Als plötzlich ein etwas größerer Fisch bei mir ankam, habe ich das Brot allerdings sofort fallen gelassen. Weiter nördlich konnte man leider nur mit einem Stinger Suit baden gehen, weil die jelly box fishes und marine stinger dort noch waren und es echt böse Folgen hat (sogar tödliche), wenn man damit in Berührung kommt.
Wir haben es nicht ganz bis Cairns geschafft, sondern nur bis 100 km davor zum Mission Beach. Dort ist es bereits richtig tropisch und wir haben ein paar Spaziergänge im Regenwald gemacht. Da ich die Pflanzenwelt dort so beeindruckend fand, deklariere ich das hiermit zu meinem schönsten Ferienerlebnis.
Überhaupt fand ich die Pflanzen und Blumen in Australien total toll. Überall haben Hibisusse geblüht und Strelitzien wachsen dort am Straßenrand. Außerdem sind dort bunte Sittiche und Kakadus umher geflogen.


Einen Tag sind wir dann auch noch mit einem ziemlich großen Schiff zum Great Barrier Reef rausgefahren. Nachdem weiter nördlich unsere geplante Tour wegen zu starkem Wind gecancelt wurde, waren wir ganz froh, dann doch noch rausfahren zu können. Der Wellengang (3m hohe Wellen) war trotz der Größe des Schiffes stark zu merken. Fast alle Leute haben Tabletten gegen Übelkeit eingeworfen (wir auch) und es wurden Spucktüten verteilt. Während Thilo dann am Reef tauchen war, bin ich nur umhergeschnorchelt. Allerdings hat man letztendlich beim tauchen auch nicht mehr gesehen als beim Schnorcheln, da das Riff ja teilweise nur 30 cm unter der Wasseroberfläche war. Die vielen unterschiedlichen Korallenarten und die Fische waren sehr beeindruckend. Ich habe auch Nemo gesehen und einige andere bunte Fische, die ich aus dem Salzwasserbecken in großen Tierhandlungen kenne.

Da Thilo eine Woche weniger Ferien hatte als ich, habe ich zum ersten Mal eine Woche alleine Urlaub gemacht. Ich bin nach Byron Bay gefahren und habe dort in einem sehr untypischen Hostel gewohnt (artsfactory). Es gab dort einen tollen Swimmingpool, Whirlpool, Sauna, Tischtennis, Billiard, Kicker, ein Kino, jeden Tag Jonglier-workshop und Yoga, Talentshow, Fireshow usw. Es war also nicht sehr schwierig dort Leute kennenzulernen. Byron Bay ist ein total schöner kleiner Ort, der fürs Surfen bekannt ist. Ich habe mich dann auch im Surfen versucht und einen Tag Surfunterricht genommen. Es war sehr anstrengend, sich immer wieder gegen die Wellen rauszukämpfen. Ein paar mal hat es aber ganz gut geklappt und ich bin auf dem Brett stehengeblieben.
Da ich während meines Urlaubs entweder in Thilos Auto oder in 6-8 Personen Zimmern in Hostels geschlafen habe, habe ich für Übernachtungen nicht zuviel Geld verschwendet.

Es war echt gut mal aus dem Studienalltag rauszukommen und nicht nur an die Hausarbeiten und Präsentationen zu denken. Außerdem habe ich viele interessante Leute kennengelernt und immer tolles Wetter (meistens bis zu 30 Grad tagsüber) gehabt. Für einen Urlaub in Australien sollte man sich allerdings ein paar Monate Zeit nehmen. Es gibt dort so viel zu sehen und zu machen, dass ich gerne länger geblieben wäre.

Mehr Fotos: http://www.flickr.com/photos/52466173@N00/

Dienstag, 20. März 2007

Mein 3. Mitbewohner - nennen wir ihn Jerry

Heute früh habe ich meinen 3. Mitbewohner kennengelernt. Während ich Obst für mein Frühstücksmüsli schnitt, lief er zwischen meinen Beinen durch und verschwand dann irgendwo unterm Geschirrspüler. Ich habe natürlich erstmal ladylike rumgeschrien. Mein Flatmate Sean hat sich über meine Aufregung nur kaputtgelacht und fand es besonders witzig, dass ich vorrübergehend von unserem "Flatcode" Abstand nehmen will. Unser "Flatcode" ist: Zimmertür auf = man ist nicht zu Hause. Meine Zimmertür bleibt demnächst zu, wenn ich nicht da bin, weil ich keine Maus in meinem Zimmer haben will. Auch wenn sie nur klein ist und ich ihr spontan den Namen Jerry gegeben habe. Sean meinte nur: "I haven´t seen him the last 2 months. Must have been on holiday." Naja, zumindest lebt Jerry wohl schon länger unter dem Geschirrspüler und war bisher auch zu clever für Mausefallen. Ich muss die nächsten Tage mal gucken, ob ich mit einer Maus in einer Wohnung leben kann. Jetzt, wo ich ihr schon einen Namen gegeben habe, mag ich sie ja auch nicht hinterhältig töten. Außerdem wohnt die Maus ja auch schon länger hier als ich. Ich hoffe nur, Jerry plant keine Familie und datet niemanden.
Ich plane zurzeit auch keine Familie, aber ich date gerade jemanden. Eine tolle Frau. Mal gucken, was daraus wird.

Ansonsten bin ich hier extrem fleißig am studieren. Ich steh auch schon immer relativ früh auf, weil ich soviel zu tun habe. Meine ersten 3 Präsentationen habe ich bereits erfolgreich gemeistert. Jetzt muss ich innerhalb der nächsten 2 Wochen noch ein paar Hausarbeiten fertigschreiben, damit ich die Fristen einhalte und ruhigen Gewissens in Urlaub nach Australien fliegen kann. Da freu ich mich auch schon total drauf. Nochmal schön Sonne tanken, bevor hier der Winter losgeht. Die Uhr wurde letztes Wochenende schon auf Winterzeit umgestellt und der Sommer ist hier auch so gut wie vorbei.

Mittwoch, 7. März 2007

4 Neubrandenburger und Erich Honecker in Wellington


Heute habe ich mich mit Kathrin (ehem. Mitschülerin) ihrer Schwester und Anja (auch ehem. Mitschülerin) hier getroffen. Kathrin macht mit ihrer Schwester gerade Urlaub in NZ und Anja ist nach Wellington ausgewandert. Wir haben sogar festgestellt, dass wir alle im Reitbahnweg-Viertel in NB aufgewachsen sind. Am Abend sind wir hier in einer Kneipe gelandet, in der gerade Berlin-Motto-Woche ist. Es gab deutsches Bier, Tischtennis und Erich Honecker an der Wand. Die Welt ist ein Dorf.


So, morgen muss ich dann aber mal richtig reinhauen, weil schließlich bis Ende nächster Woche noch 3 Präsentationen von mir gehalten werden müssen.

Montag, 5. März 2007

Life on an earthquake fault line ...

... mir wurde hier bereits mehrfach erzählt, dass meine Strasse direkt an einer Erdbebenlinie liegt, aber davon gibt es ja viele. Als ich kürzlich dann mal etwas im Internet recherchiert habe, fand ich heraus, dass ich an DER ERDBEBENLINIE wohne, sozusagen die Hauptlinie von Neuseeland. Außerdem ist ein größeres Erdbeben hier schon längst überfällig. Tja, no risk no fun. Bisher habe ich noch kein Erdbeben gespürt, obwohl es seit ich hier bin wohl schon ein paar kleinere Erdbeben gab.

Letztes Wochenende ist nun endlich mein zweiter Mitbewohner Jason eingezogen. Zu meiner freudigen Überraschung ist er ein Maori. Bisher finde ich ihn total toll. Super-nett und super-hilfsbereit. Ich werde mal versuchen ein bißchen Maori von ihm zu lernen, obwohl die Sprache echt schwierig ist und zu 70% aus Vokalen besteht. Ich habe mit meinen Mitbewohnern und der Wohnung echt einen Glücksgriff gemacht.

Mittwoch, 28. Februar 2007

Der Ernst beginnt....

Meine ersten 2 Vorlesungen in meinen Hauptkursen habe ich nun hinter mich gebracht: Comparative Human Rights und International Labour Law. Bei Human Rights waren wir 14 Leute, davon 4 international students und sonst nur Kiwis, die in der Runde saßen. Catherine (man nennt hier Professoren beim Vornamen) die den Kurs leitet, arbeitet bei Clifford Chance in London und hat einen super-kompetenten Eindruck auf mich gemacht. Ich habe alles ganz gut verstanden, muss aber zugeben, dass mein eigenes Englisch in meinen Wortbeiträgen nicht so der Hit war, weil mir einfach noch die englischen Fachbegriffe fehlen. Meistens habe ich das erst realisiert, nachdem ich angefangen hatte zu reden und daher etwas herumgestottert.
Bei Gordon in Labour Law waren wir nur 6 Leute. Leider 4 Deutsche, wovon 3 den beliebten Namen Anne tragen. Nach einer kurzen verwirrenden Einleitung hat uns der Professor zum Bier eingeladen. Zum nächsten Mal muss ich bereits irgendwas herausarbeiten und zusammenfassen.

Ich fühle mich im Moment etwas erschlagen von den ganzen seminar papers, research papers, presentations... die ich alle schon ganz bald machen muss und für die ich mir ein Thema aus den Fingern saugen soll.

Heute gab es nochmal ein letztes Welcome Event zum Einander-Kennenlernen mit Small Talk, Alkohol und Häppchen. Die Atmosphäre in der Law School ist schon sehr nett und die Leute sind sehr engagiert. Alle Dozenten praktizieren die sogenannte "open door policy". Bei der überschaubaren Kursgröße ist dies natürlich auch eher möglich als in Deutschland.

Die nächsten 3 Wochen habe ich leider auch Freitag Abend und Samstags (von 9.30 bis 17.00 Uhr!) einen Kurs. Nicht das hier der Eindruck entsteht ich würde nur Urlaub machen...

Sonntag, 25. Februar 2007

Der längste "Spaziergang" meines Lebens

Da dieses Wochenende die letzte Gelegenheit vor dem Winter war, wo ich 3 Tage hintereinander frei habe, habe ich mich mit Claudia und Andrew (einem Engländer, der hier studiert, um dann einwandern zu können) auf den Weg zum Tongariro National Park gemacht. Zur Einstimmung haben wir am Freitag zunächst einen kleinen 2 Stunden Walk zu den Taranaki Falls (Wasserfälle) gemacht.

Am Samstag war dann der grosse Tag des Tongariro Crossings, d.h. Vuklanüberquerung des Mt. Tonariro (1968m).


Dieser Vulkan ist vielen aus Herr der Ringe bekannt. Mir logischerweise nicht.
Um 7 Uhr (!) morgens mussten wir am Bus sein, der uns dann zum Fuße des Vulkans gefahren hat. Um 8 Uhr wanderten wir los. Spätestens 16.30 Uhr mussten wir auf der anderen Seite ankommen, um den Bus zu erwischen, der uns dann wieder abholte. Außer uns waren noch ca. 200 andere Leute auf die Idee gekommen, sich nen Vulkankrater aus der Nähe anzugucken, die sich allerdings über die Strecke verteilten.


Für den 17 km Marsch waren 8 Stunden veranschlagt, die wir auch gebraucht haben. Wir mussten 1200 m Anstieg bewältigen, wobei ich mich oftmals mit allen Vieren an den Felsen entlang hangeln musste. Eigentlich war ich nach der ersten Stunde schon total am Ende. Ich hatte nicht nur meine Haare sondern selbst die Kapuze meines Kapuzenpullis komplett durchgeschwitzt. Die Geschwindigkeit, die die anderen vorgelegt haben, entsprach einfach nicht meinem persönlichen Tempo.
Die Strapazen wurden jedoch mit atemberaubenden Panoramablicken belohnt. Es ist schon sehr beeindruckend, auf einem noch aktiven Vulkan rumzukrabbeln (letzter Ausbruch 1926) an dem überall Schwefelgase austreten. Überhaupt kam ich mir vor, als würde ich in einer Landschaft auf einem anderen Planeten umherwandern, da ich bisher nichts vergleichbares gesehen habe.
Bei den 1400 vertikalen Metern Abstieg habe ich die Leute mit Wanderstöcken arg beneidet, da ich das Gefühl hatte, meine Kniescheiben würden jeden Moment rausspringen. Am Ende des Walks kamen wir in einen regenwaldähnlichen Wald und ich empfand es als sehr erleichternd wieder Tiere zu hören und grüne Pflanzen zu sehen.

Insgesamt bin ich mit diesem Ausflug schon ziemlich an mein Limit gegangen, da ich einfach keine gute Kondition habe (Ausdauertraining ist mir ja immer zu langweilig im Fitnessstudio und Joggen sowieso) und derartige Unternehmungen nicht gewohnt bin, aber es hat sich wirklich gelohnt.
Sonntag konnte ich mich natürlich kaum bewegen und musste zum ersten Mal hier in Wellington mit dem Bus fahren, da ich mit meinen Knien die 200 Treppenstufen, die zu meinem Haus führen (der Panoramablick hat seinen sportlichen Preis) auf keinen Fall gehen konnte. Der Schmerz hat heute schon nachgelassen, aber ich habe ja auch noch nicht die Wohnung verlassen.

Nachher habe ich gleich meine erste richtige Vorlesung…

mehr Fotos wie immer : http://www.flickr.com/photos/52466173@N00/

Sonntag, 18. Februar 2007

Immer noch Super-Sommer-Wetter! Jippie!

19.2.
Endlich habe ich alles Organisatorische auf die Reihe gekriegt: Visum, Student ID, Bankkonto usw.
Seit ich hier bin hab ich eigentlich immer Muskelkater vom vielen Umherlaufen, da ja alles in „walking distance“ ist und weil ich auf nem Berg wohne.


In meiner WG fühle ich mich schon richtig zu hause. Am Wochenende war ich mit Sean und seinen Freunden bei einer Wohnungseinweihungsparty von 2 Diplomaten und ich war zur Abwechslung mal die einzige Deutsche weit und breit. Die Wohnung war ziemlich edel mit Whirlpool, stylischen Terrassenmöbeln usw. und die Leute dort waren alle sehr aufgeschlossen und vielseitig interessiert. Sean und seine Freunde haben sich auch sehr um mich gekümmert und immer geguckt, ob ich mich auch gut unterhalte und mich wohlfühle. Die Gespräche waren auch sehr interessant, da dort einige Leute vom Auswärtigen Amt waren, unter anderem ein Typ, der Neuseeland bei der UN repräsentiert. Dann sind wir später noch in einen Club gegangen und ich habe eine nette Bekanntschaft mit einer Maori gemacht.

Wenn man so durch die Stadt läuft, ist es wirklich erstaunlich, wie viele Leute einem begegnen, die man bereits kennt. Und das nach den paar Tagen hier!

Ach ja, und ich habe einen neuen festen Climbingpartner: Matt. Mit dem war ich ja vorgestern klettern und er ist echt easygoing und cool. Er ist 28, Webdesigner, in Simbabwe aufgewachsen, hat in Pretoria (Südafrika) studiert und arbeitet jetzt seit 3 Jahren hier. Wir wollen versuchen zumindest 1 bis 2 mal die Woche klettern zu gehen.

Samstag, 17. Februar 2007

Wellington - die ersten 2 1/2 Wochen

31.1.

Claudi hüpft durchs Zimmer und meint es wäre schon fast 2 Uhr nachmittags. Super, denke ich. Dann hab ich ja schön durchgeschlafen und müsste jetzt superfit sein. Schade, dass mein Körper noch anderer Meinung ist. Um nicht den ganzen Tag zu verschlafen, raffe ich mich auf und geh ins Bad. Wieder im Zimmer sagt meine Armbanduhr, dass es gleich 8 Uhr ist. Verwirrt darüber, ob ich meine Uhr falsch umgestellt hab wegen der Zeitverschiebung, frage ich nen Typen auf dem Flur nach der Zeit: gleich 8. Claudi hatte ihre Uhr falsch herum gehalten. AAAAAAAH! Umsonst so früh aufgestanden und sofort wieder hingelegt.

Später bin ich alleine durch die Stadt gedallert. Es war so windig, dass die Stadt doch eher den Namen „stormy Wellington“ anstatt von „windy Wellington“ verdient hatte. Oder war das noch Kyrill, der jetzt erst hier angekommen war?

Die Stadt fand ich ansonsten auf Anhieb sehr sympathisch. Städte am Meer muss man einfach mögen!

1.2.

Ich wurde heute von einer Meute singender Maori geweckt, die bereits bis in die späten Morgenstunden gefeiert hatten. Andere Leute bezahlen für solch kulturelle Ereignisse, in einem Hostel ist so was for free.

Was ich besser in Deutschland gelassen hätte: meine 4 Adapter, die alle nicht funktionieren; meine TV-Card, die zwar in Australien, aber nicht in Neuseeland hinhaut.

Was ich mir sofort kaufen musste: ein Basecap, um meine Haare bei dem Wind unter Kontrolle zu halten; einen dicken wattierten! megacoolen Kapuzenpulli, weil der Sommer bei Wind hier nicht sonderlich sommerlich ist.

2.2.

Ich sitze gerade in dem neuen Hostel, in das wir heute morgen eingezogen sind und versuche innerlich meinen Mut zusammenzunehmen, um an der Rezeption meinen Verdacht zu äußern, dass die Bettwäsche nicht für uns gewechselt wurde. Mein Bett riecht sehr stark nach stinkigen Füßen und ist befleckt. Claudis Bett auch. Ich drücke mich für gewöhnlich ja vor Konfrontationen und meckere ungern rum, aber das ist doch ein bisschen doll mufflig. Dummerweise kann ich das jetzt gerade nicht auf jemand anderen abwälzen, weil Claudi schon losgezogen ist, um sich ne Matratze zu kaufen.

Leider geht das Fenster auch nicht zu öffnen. Ansonsten finde ich das Hostel ganz nett. Wir haben uns bei tollstem Wetter schon auf dem Hof gesonnt. Claudia hat sich gestern gleich für das erste Zimmer, das sie besichtigt hatte, entschieden. Mal gucken, wie lange ich noch im Hostel verweilen werde. Die WG, die ich mir gestern angeguckt hab, war nicht so doll und die Mitbewohnerinnen ziemliche Couch-potatoes.

Gestern haben wir in einer Gay-Karaoke Bar in Claudis Geburtstag reingefeiert und sogar gesungen. Es waren nur ca. 20 Leute da. Die 4-5 Mädels, die dort waren, waren alle sehr übergewichtig. Überhaupt laufen in der Stadt viele dicke Mädchen rum. Hoffentlich gehöre ich am Ende des Jahres nicht auch dazu.

Für Claudis Geburtstag hatte ich Chinaknaller besorgt, bei denen man an einer Strippe zieht und dann knallt es und es kommen kleine Luftschlangen raus. Dummerweise hat Claudi das mit einem der Dinger auch gemacht und das Teil so dicht an meinem Gesicht gezündet, das ich jetzt einen kleinen roten Kreis auf der Wange habe.

So, jetzt werde ich mich mal langsam auf den Weg in die Innenstadt machen, um mit Claudi einen Cafe zu trinken, mir dann eine WG anzugucken und anschließend Karsten (kenn ich vom Studium in Rostock und ist seit Nov. hier) zu treffen.

Abends:

Super-Aktion. Ich habe mich mit meiner Beschwerde über die Bettwäsche sofort zum Staatsfeind Nr. 1 gemacht. Die ältere Dame meinte grimmig, sie hätte heute morgen die Bettwäsche gewechselt, mir aber trotzdem mürrisch neue Bettwäsche gegeben. Die stank dann genauso und ist auch nicht unbedingt sauber. Toll!

Die WG, die ich mir angeschaut habe, ist supergut und ich hoffe, die nehmen mich. Entscheidung ist am Mittwoch. Beide Typen sind glaube ich schwul, die Wohnung und das Zimmer sind schön eingerichtet und man hat einen fantastischen Ausblick auf die Stadt. Preis ist gut und soweit echt perfekt. Eigentlich mag ich gar nicht mehr weitersuchen.

Ich bin gespannt wie lange es dauert, bis ich diesen komischen Neuseeland-Akzent verstehen werde. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die überhaupt Englisch reden. Als ich heute bei einer WG angerufen habe, musste ich irgendwann auflegen, weil ich trotz Nachfrage gar nichts verstanden habe. Ich vermisse echt ein wenig das amerikanische Englisch, wo ich ja wirklich alles verstehe, außer wenn mal ein ungewöhnliches Wort eingeworfen wird, aber selbst dann weiß ich ja, wie man es schreibt und kann es nachgucken. Naja, so krass habe ich das hier echt nicht erwartet.

3.2.

Mit den WG-Anzeigen war es heute nicht so doll. Hab mir eine abgeranzte 7er WG in nem ehemaligen Lagerhaus angeguckt. War zwar sehr zentral und mit Internet, aber total keimig. Rissige Wände und alles machte den Eindruck als wäre es ein Abstellraum. Wenigstens konnte ich noch einen Termin für Dienstag klarmachen. Ansonsten war heute superschönes Wetter, so dass wir beim Breakdance-Battle am Hafen rumgehangen haben und dann noch mit der Cable Car auf nen Hügel gefahren sind. Als wir auf dem Rückweg noch kurz an meiner Wunschwohnung vorbeigelaufen sind, stand dort ein schicker Typ wartend davor, der offensichtlich auch einen Besichtigungstermin hatte. Die Konkurrenz ist also verdammt gross.

4.2.

Gestern abend habe ich durch Karsten noch ein paar Leute von der Law School kennengelernt. Wirken alle sehr sympathisch.

Toll ist übrigens, dass man hier in den Clubs keinen Eintritt zahlen muss. So kann man getrosst von Club zu Club ziehen.

Am späten Abend habe ich dann noch zufällig Sean, meinen Wunschmitbewohner getroffen. Ich habe noch mal ausdrücklich mein Interesse an der Wohnung bekundet und er meinte, dass meine Chancen gut stünden, aber wer weiss, wer da die nächsten Tage noch alles das Zimmer anguckt.

Abends im Hostel haben Claudi und ich uns versehentlich aus unserem Zimmer ausgesperrt, als wir beide ohne Schlüssel ins Bad gegangen sind. Okay, ich war die Letzte, die das Zimmer verließ. Da standen wir nun nachts um 3 Uhr spärlich bekleidet in unserem ruhigen Hostel. Wir waren gerade dabei, uns im Fernsehraum einzurichten, als ein anderer Gast kam, dem ich die Situation schilderte. Dieser zögerte nicht den Hostelbetreiber aus dem Bett zu klingeln und zu klopfen. Verständlicherweise war dieser sehr wortkarg und mir war das alles sehr peinlich und unangenehm. So macht man sich beliebt.

Heute bin ich mit Claudi am Nachmittag mit dem Zug (45 min) zur Kapiti Coast gefahren.

Wir wollten von der vorletzten Zugstation am Strand entlang zur Endstation laufen, weil der eine Typ am Strand meinte, das würde nur 45 min dauern. 2 Stunden später meinte eine Frau, dass es nur noch eine halbe Stunde entfernt sei. Nach dieser halben Stunde meinte eine andere Frau, dass es noch ca. 40 min Weg wären. Nach diesen weiteren 40 min wurden wir von einer netten Neuseeländerin mit dem Auto zur Endstation gefahren, da sie meinte, dass wir sonst noch mindestens eine Stunde laufen müssten.

Der Weg war allerdings sehr schön, so dass mich die Dauer nicht gestört hat. Die meiste Zeit über bin ich auch für mich alleine gegangen. Ich hab vor mich hingesungen und zum ersten Mal seit Antritt der Reise das sichere Gefühl gehabt, dass ich mich richtig entschieden habe und dass es ein sehr tolles Jahr werden wird.

Hin und wieder bin ich auch Menschen am Strand begegnet, die mich alle freundlich angestrahlt haben oder gegrüßt haben. Der „Spaziergang“ hat mich sehr an Hape Kerkelings Buch erinnert.

6.2.

Die Wohnungssuche ist krasser als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Sobald eine Anzeige ins Internet gesetzt wird, rufen gleich zig Leute dort an und manchmal ist das Zimmer bereits 2 Stunden nach Erscheinen der Anzeige schon vergeben.

Ich habe heute eine schöne Wohnung gesehen und mich auch mit den Mitbewohnern so gut verstanden, dass ich mir ziemlich sicher war, dass sie sich für mich entscheiden würden. Natürlich habe ich in Gedanken schon das Zimmer gestaltet bis dann eben die Absage kam.

Eine andere Wohnung war heute auch sehr cool, wenn auch ziemlich teuer, aber da war ich mit den Leuten nicht so auf einer Wellenlänge.

Heute früh war ich ja auch mal Claudis WG besichtigen. Das Haus und ihr 5 qm Zimmer sind etwas heruntergekommen. Mein Ding wäre das nicht gewesen, aber es ist billig und Claudia kommt mit den Mitbewohnern wohl gut klar.

So langsam hätte ich schon gerne auch ein eigenes Zimmer, in dem ich mich ausbreiten und wo man auch mal ein Fenster öffnen kann.

Ansonsten war ich heute noch mit Claudia im Wellingtoner Hafen paddeln. Ich wurde von 3 Leuten, die auf einem Boot in der Sonne lagen und Queens „Bohemian Rapsody“ sangen auf einen Becher Wein eingeladen. Leider habe ich den halben Wein über mich gekippt, als ich versuchte den Wellengang, mein Kanu, mein Paddel und den Weinbecher in Einklang zu bringen. Es war mal wieder ein Super-Sommer-Sonnen-Tag.

Es sieht fast so aus, als würde sich mein Tagesablauf noch nicht so schnell ändern und ich werde weiterhin mein Geld für Internetcafe und Rumtelefonieren ausgeben.

8.2.

Gestern morgen meinte Lucile, eine Hostelbewohnerin, dass dies mein Tag sei und ich eine Wohnung finden würde. Am Abend konnte ich ihr dann strahlend „your forsay proved right“ entgegenrufen.

Ich hatte tagsüber eine doofe Wohnung mit fensterlosem Zimmer angeguckt und eine tolle Wohnung mit eigenem Dachterrassenzugang, wo ich mich dann auf einer endlos langen, Liste eingetragen habe. Bei einem Cappuccino in einem Strassencafe lernte ich anschließend Eugene kennen. Schätzungsweise um die 45, hat nach 15 Jahren gerade seine Marketingfirma verkauft, ist 3 Monate nach Cuba gegangen und da umhergewandert, hat sich scheiden lassen und will sich jetzt 1-2 Jahre Auszeit gönnen bevor er seine Zukunft weiterplant. Abgesehen von seiner interessanten Lebensgeschichte hat er mich dazu überredet, mich nicht Ann zu nennen, weil sich das so britisch konservativ anhöre, sondern lieber Anna (englisch ausgesprochen), da das exotischer klänge. Mir fiel sofort wieder Cathy, meine befreundete Anwältin in SF, ein, die ja auch darauf bestanden hatte, mich so zu nennen, weil sie fand, dass es mehr zu mir passte. Ich hatte es anfangs hier wirklich mit Anne (ganz deutsch gesprochen) versucht, aber die Leute waren so irritiert, dass ich zu doch mal wieder zu Ann übergegangen war.

Als ich dann das Internet nachmittags noch mal checkte, hatte ich Post von Sean aus meiner Favouriten-wohnung vom Freitag mit der Frage „Would you like to be our flatmate?“ Hurra, hurra! Ich ziehe also nächsten Donnerstag in die Superwohnung ein.

Die Betten im Hostel find ich auch nicht mehr so gut. Ich wohne jetzt zwar in einem Zimmer mit Fenster, aber ich habe das Gefühl die Matrazen haben Flöhe. Wenn man erstmal so einen Gedanken hat, juckt es natürlich sowieso überall, aber vor 3 Tagen habe ich auch 2 kleine juckende Stiche bekommen, die Flohstiche sein könnten. Naja, ich bin ja nur noch eine Woche hier. In meinem Zimmer ist außerdem eine ca. 40 Jahre alte Kiwi-Frau, die bis Sonntag mit mir zusammenwohnen wird. Sie besucht hier irgendeine Hochzeit, bei der eine ihrer Töchter Brautjungfer ist. Insgesamt wirkt sie eher unentspannt und stottert, aber sie schnarcht nicht.

Gestern abend habe ich dann noch einen indonesischen Taxifahrer kennengelernt, während ich auf Claudi wartete. Er wohnt hier, weil er die Wärme in Indonesien nicht mag und auch im Moment ist es ihm viel zu warm hier. Er erzählte mir, dass hinter Mount Victoria, (also einem der Hügel, der die Stadt begrenzt) King Kong gedreht wurde. Die „Herr der Ringe“ Drehorte sind größtenteils auch alle in der Nähe, aber mein Interesse daran ist bekanntlich so groß wie an Tennis.

Interessant hingegen war, dass man als Taxifahrer in 5 Stunden wesentlich mehr verdient, als als Vollzeit-Manager bei McDonalds.

Weiter ging es dann gestern zu dem Juristen-Stammtisch. Es waren im Wesentlichen die Leute dort, die ich schon bei den anderen Treffen durch Karsten kennengelernt hatte und die mir alle überwiegend sympathisch sind. Der eine Neuseeländer meinte, dass er zurzeit schlecht schlafe, weil es so warm sei und vor allem, weil es seit Tagen ausnahmsweise nicht windig ist. Ohne Wind habe er das Gefühl, dass er keine Frischluft bekomme. Okay, whatever.

Heute bin ich mit Claudi auf die andere Seite der Bucht gefahren. Die Bootsfahrt war gut, aber auf der anderen Seite der Bucht war es langweilig, weil da nur ein paar Häuser waren und nichts weiter. Na gut 2 Cafes, ein Restaurant und 2 Keramikläden. Aber nicht wie die Werbung uns versprochen hatte, eine Riesenauswahl an Cafés und Kunstläden und tollen Picknickplätzen. Da wurde mal wieder mächtig dick aufgetragen.

So, jetzt mach ich mir mal meine heissgeliebten Nudeln mit Pesto und Tomaten und verbringe einen ruhigen abend im Hostel.

… irgendwer hat mein Pesto aufgegessen. Also doch keine Nudeln, sondern Pizza von gegenüber.

11.2.

Gestern abend war es also so weit: Die one-and-only-einmal-im-Monat-Frauenparty in Wellington fand statt. Ich war erst mit den Juraleuten unterwegs gewesen und hab mich dann kurz mal abgeseilt. Nach 10 min war ich eigentlich schon wieder zurück, weil das nix war. Ca. 30 bis 40 Mädels, entweder superdick oder typisch maskulin kurzhaarig. Mit superdick meine ich jetzt nicht irgendwelche weiblichen Kurven oder "a little extra", sondern Größe XXL. Ich bin dann mal schnell geflüchtet, als eines der dicken Mädchen unbedingt mit mir tanzen wollte.

Die Chancen, dass ich für immer in Wellington der Liebe wegen bleibe gehen stark gegen Null. Dafür steigen die Chancen, dass ich eine gute Studentin sein werde und einen muskulösen Körper vom vielen Sport bekommen werde.

Bei Claudi sieht das da ganz anders aus: weil die Männer hier überdurchschnittlich gut aussehen und man die weibliche Konkurrenz in die Tonne treten kann.

Heute morgen hieß es mal wieder für mich: innerhalb des Hostels umziehen. Die letzte Nacht war sehr kurz und ich trank meinen Frühstückstee zusammen mit Jack, einem Bauarbeiter aus Samoa. Um genau zu sein trank er mit einem spürbaren Restalkoholpegel bereits sein erstes Bier. Er erzählte mir, das Samoa eine deutsche Kolonie war und es daher viele hübsche Menschen gibt, die halb deutsch und halb samoa-mäßig sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt und werde mich sobald ich eigenes Internet habe darüber informieren.

Dann habe ich ein Blind-Date mit einem Kletterpartner gehabt. Ich hatte letzte Woche meinen Namen in die Rubrik „looking for climbing partner“ in der Kletterhalle eingetragen und einen Anruf von Murray und einen von Matt erhalten. Murray war nun heute dran. Er ist wohl um die 30 und Software-Entwickler und hat noch keine Kletterfigur. Er ist mehr so der typische Computerfreak. Er war ganz nett, aber jetzt kein cooler Typ, mit dem man sich unbedingt mal auf ein Bier treffen möchte. Mal gucken was Matt nächstes Wochenende so für einer ist.

Morgen und übermorgen haben Claudi und ich uns ein Auto geliehen und düsen erstmal in der Gegend rum. Ich bin echt gespannt, ob ich das links fahren und links schalten hinbekomme und freue mich schon auf diese Herausforderung… und auf Seelöwen, Weinberge, Quadfahren… Studium geht erst Mittwoch los und es ist Sommer. Die Zeit muss genutzt werden!

13.02.07

Das erste Mal in meinem Leben links fahren war unkomplizierter als erwartet. Manchmal wollte ich auch heute noch beim abbiegen die falsche Seite nehmen und die Scheibenwischer gingen auch häufig an, wenn ich eigentlich blinken wollte, aber alles in allem sind wir unfallfrei wieder nach Wellington zurückgekommen. Ach nee, stimmt ja gar nicht. Claudi hatte heute Nachmittag noch einen kleinen Unfall mit ihrem Quad. Sie hat wohl in einer Kurve die Kontrolle verloren, ist runtergefallen und das Quadbike ist teilweise über sie rübergefahren. Keine ernsthaften Verletzungen zum Glück.

Das Quadfahren war sehr toll. Wir sind in einer Gruppe von 7 Leuten die Berge rauf und runtergedüst und sind durch niedrige Flussbetten gebrettert. Ich hab immer schön Gas gegeben und war daher vom Flusswasser vollkommen nass, aber das Wetter war mal wieder sehr sommerlich, so dass das nichts ausmachte.

Unser kleiner Ausflug war insgesamt eindrucksvoller als erwartet. Bereits kurz hinter Wellington wurde es sehr ländlich. Wir mussten uns einen Weg durch Rinder- und Schafherden bahnen und die Strasse war häufig eher unbefestigt und oft einspurig.

Ich habe mich so dicht wie möglich an Seelöwen herangepirscht, bis der eine Seelöwe mit Drohgeräuschen auf mich zu gehopst ist und ich schnell weggerannt bin. Ich mag Seelöwen sehr gerne und freue mich immer wieder, wenn ich sie beobachten kann.

Ein kleines Weingebiet gibt es in der Nähe von Wellington (bei Martinsborough) auch. Es sind zwar keine Weinberge wie im Nappa Valley in California, aber es ist schon ganz nett da. Auf 2 Weingütern haben wir auch Wein verkostet, mehr ging dann aber nicht, weil wir ja mit dem Auto unterwegs waren.

In den kleinen Orten in der Gegend ist ansonsten nicht viel los. Naja, man darf nicht vergessen, dass Wellington nicht so riesig ist (es gibt in der Stadt übrigens nur einen großen Supermarkt; angeblich soll es noch einen weiteren am Stadtrand geben).

16.2.

Die letzten 3 Tage war „Orientation“ und Umziehen angesagt. Ich brauche jetzt erstmal Ferien!

Von den 30-40 international law students sind 80% deutsch und 7 Mädels heißen Anne und nur 3 sind Ossis. Bei den international students insgesamt sind viele Amerikaner dabei und ansonsten Leute von überall her.

Die Uni gibt sich sehr viel Mühe und kümmert sich mit vielen Einführungsveranstaltungen um die Internationals. So ein Aufwand wird in Deutschland bei weitem nicht betrieben, aber dafür zahlt man hier ja auch entsprechend hohe Studiengebühren.

In den letzten 3 Tagen wurde ich mit so vielen Informationen überhäuft, dass ich die nächsten 2 Tage erstmal in Ruhe alle Unterlagen und Broschüren durcharbeiten muss.

Die Law School ist im alten Regierungsgebäude der Stadt untergebracht und macht von innen und außen einen sehr ehrwürdigen Eindruck. Es gibt schöne geschwungene Holztreppen und alles ist mit gutem Teppich ausgelegt. Die Hörsäle sind in einem neueren Gebäude auf dem Hof untergebracht und sehr modern: vollständig klimatisiert, gut technisch ausgerüstet und man sitzt auf bequemen Polsterstühlen. Alles kein Vergleich mit dem deutschen Standard, den ich sonst so kenne.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Lehrveranstaltungen. Abgesehen von den allgemeinen Einführungskursen sind in den Kursen nur maximal 16 Personen zugelassen. Es wird also alles etwas anders ablaufen.

Seit gestern wohne ich ja nun auch endlich in meiner WG. Mein Zimmer ist sehr schön. Aus meinem Fenster kann ich sogar eine klitzekleine Ecke Meer erspähen. Ich habe ein schönes grosses Queen-Size-Bett und habe mir auch eine riesengroße Bettdecke und schöne Bettwäsche gegönnt. Außerdem habe ich ein bisschen Stuck an der Decke, einen Kronleuchter und ein kleines Bild von Monet an der Wand. In der ganzen Wohnung sind Bilder von Monet und Van Gogh, was mich natürlich sehr freut.

Ich befürchte allerdings, dass es hier im Winter relativ kalt wird. Ich habe zwar eine kleine Elektroheizung in meinem Zimmer stehen, aber mein Fenster ist so ein einglasiges Schiebefenster mit Holzrahmen. Diese Fenster sind hier üblich und kenne ich auch schon aus San Francisco. Obwohl mein Fenster „geschlossen“ ist und es nur mittelmäßig windig ist, weht meine Gardine gerade mächtig hin und her.

Mein Mitbewohner Sean (28) ist sehr bemüht und hilfsbereit. In der Abwäsche ist so eine Art Mini-Biokompostierer integriert, der mir gerade erklärt wurde; der „Sinkenator“ oder so ähnlich. Es ist wie ein etwas größerer Ausguss, man lässt Wasser dort rein laufen und auf Knopfdruck werden die Küchenabfälle zerhäckselt. Komischer Weise wird das Teil niemals geleert, zumindest nicht in meiner Wohnung.

Ich verstehe Sean auch ganz gut. Ich glaube, er bemüht sich sehr, klar und ordentlich zu reden. Seinen Freund verstehe ich hingegen kaum. Im Moment wohnt auch noch Alex hier, die ich aber nur einmal kurz gesehen hab und die in 2 Wochen auch auszieht. Dann zieht Jason ein und die gay-community ist dann vollständig.

Heute hatte ich noch das tolle Vergnügen mit der Telecom zu telefonieren. Am Anfang des Telefonsystems ist so eine automatische Worterkennung und man soll erzählen, was man will und dann wird man weitergeleitet. Ich habe mehrmals versucht, die Worte „change internet account“ deutlich auszusprechen, aber das Ganze ist wohl immer wieder an meinem deutschen Akzent gescheitert. Nach dem dritten automatischen „Sorry, I still didn´t quite get that“ wurde ich einfach irgendwohin verbunden.

mehr Fotos:

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Donnerstag, 1. Februar 2007

Singapura

Meine kleine Reise nach Wellington zusammen mit Claudia (Freundin aus dem Referendariat) führte uns zunächst nach Singapura.

Nachdem ich meinen verbeulten neuen Koffer vom Förderband genommen hatte, ging es auf zum Taxistand. Der Taxifahrer kannte die Adresse unseres Hostels nicht. Zum Glück hatten wir die Wegbeschreibung mit ausgedruckt. Das Hostel war sauber und schön tropisch warm.
Nach der Ankunft in den Abendstunden wollten wir noch mal fix los um Wasser und Essen zu kaufen. Aus dem „fix“ wurde leider nix. Claudi hatte den Zimmerschlüssel zwischen die Sofakissen gemölt. Die nicht enden wollende Suche inkl. mehrmaligem Durchwühlen der Koffer und aller Taschen kostete einige Nerven, aber Ende gut, alles gut.

Und sonst…

In Singapur wird wegen der Terrorgefahr in U-Bahnen mächtig rumgestresst. Es werden Videos von den Explosionen in London und Madrid gezeigt unter dem Motto „terrorism is real“ und dann folgen umfangreiche Verhaltensvideos für den Ernstfall. Ständig werden Warnungen durchgesagt, dass man auf herumstehende Gepäckstücke achten soll, weil da ja ne Bombe drin sein könnte. Und die Gefahr ist schließlich überall!

Linksverkehr zieht im übrigen auch andere Verhaltensweisen nach sich: auf Rolltreppen heißt es „links stehen, rechts gehen“ und wenn 2 Leuten auf einem engen Gang zusammentreffen, weichen Deutsche automatisch nach rechts aus, die anderen nach links, so dass man immer noch nicht aneinander vorbeikommt.

Singapur ist sehr sauber und sehr westlich.
Es gibt allerdings auch wesentlich mehr Verbote als bei uns. Zum Beispiel darf man nicht innerhalb von Bahnhöfen essen oder trinken. Wir haben uns schon etwas gewundert, warum uns die Leute auf dem Bahnsteig so ungläubig ansahen, als wir Müsliriegel aßen. Als ich dann Cheryl traf (kenn ich aus SF, kommt ursprünglich aus Singapur und war gerade auf Heimaturlaub dort) und dazu befragte, war sie ziemlich schockiert, dass wir das getan hatten. Es steht zwar nicht die Todesstrafe darauf, aber eine sehr hohe Geldstrafe.
Die Menschen sind insgesamt sehr offen und freundlich und laufen nicht vor mir weg, so wie in Japan. Überhaupt ist die Globalisierung sehr gegenwärtig. Es gibt Ikea, Esprit, Zara, Ricola-Bonbons, Kinderschokolade und alles was man sonst so kennt. Lediglich beim Essen haben mir die Gerüche manchmal den Magen verschlossen, besonders in Chinatown und ich habe mich sofort an Christians Erzählungen von Shanghai erinnert und konnte seine Übelkeit gut nachvollziehen.

Für Singapur sind 3 Tage völlig ausreichend. Für immer da wohnen möchte ich nicht. Auch nicht für 3 Monate. In Singapur ist außerdem für mich jeder Tag ein „bad hair day“, weil sich meine Haare wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wie verrückt kringeln.

Eigentlich wussten wir am dritten Tag schon kaum noch was wir machen sollten. Wir hatten schon alle Standard-Sachen durch:
Chinatown inklusive chin. Neujahrsfest,
Little India, Hafen, Innenstadt,
Sentosa (Insel, die an Singapur dran ist, mit nettem Strand und Cafe-del-mar-Kopie Bars, und natürlich ein paar Vergnügungsattraktionen),
Night-Safari im Zoo (man wurde mit ner Bahn durch den Zoo gefahren; die Tiere waren zwar angleuchtet, aber nicht alle waren da, wo die Scheinwerfer waren; diese Situation kombiniert mit meiner Kurzsichtigkeit war so lala)
Wenn man mehr Zeit hätte, wäre sicherlich der Urwald Richtung Malaysia noch ganz interessant gewesen.

Und weiter…

ging es dann nach ein paar Visa-problemen mit Zwischenstop in Darwin, Cairns, Sydney nach Neuseeland. Der erste Flug war mit einer Billig-Airline, deren Sitze nur für Kinder und Asiaten geeignet waren. Als Ausgleich dafür waren die Stewardessen sehr darum bemüht alle Passagiere mit Alkohol abzufüllen, wozu auch alle bereit waren, um die Knie vom Hintermann im Rücken besser ertragen zu können. Die ersten 2 Flüge ging es mir auch noch super dank Tiger Beer, danach hatte ich auch auf der Erde das Gefühl in einem schwankenden Flugzeug zu sitzen. Ich bekam wacklige Knie und hab mit kreidebleichem Gesicht sehr viel Zeit auf der Flughafen-Toilette verbracht. Zum Glück ging es mir nach dem Konsum von Claudis Flugübelkeitsreisekaugummis und Immodium Akut wieder besser. Wir wurden am späten Abend von einem Mädel von der Uni in Wellington vom Flughafen abgeholt und in unser Hostel chauffiert.

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