Samstag, 17. Februar 2007

Wellington - die ersten 2 1/2 Wochen

31.1.

Claudi hüpft durchs Zimmer und meint es wäre schon fast 2 Uhr nachmittags. Super, denke ich. Dann hab ich ja schön durchgeschlafen und müsste jetzt superfit sein. Schade, dass mein Körper noch anderer Meinung ist. Um nicht den ganzen Tag zu verschlafen, raffe ich mich auf und geh ins Bad. Wieder im Zimmer sagt meine Armbanduhr, dass es gleich 8 Uhr ist. Verwirrt darüber, ob ich meine Uhr falsch umgestellt hab wegen der Zeitverschiebung, frage ich nen Typen auf dem Flur nach der Zeit: gleich 8. Claudi hatte ihre Uhr falsch herum gehalten. AAAAAAAH! Umsonst so früh aufgestanden und sofort wieder hingelegt.

Später bin ich alleine durch die Stadt gedallert. Es war so windig, dass die Stadt doch eher den Namen „stormy Wellington“ anstatt von „windy Wellington“ verdient hatte. Oder war das noch Kyrill, der jetzt erst hier angekommen war?

Die Stadt fand ich ansonsten auf Anhieb sehr sympathisch. Städte am Meer muss man einfach mögen!

1.2.

Ich wurde heute von einer Meute singender Maori geweckt, die bereits bis in die späten Morgenstunden gefeiert hatten. Andere Leute bezahlen für solch kulturelle Ereignisse, in einem Hostel ist so was for free.

Was ich besser in Deutschland gelassen hätte: meine 4 Adapter, die alle nicht funktionieren; meine TV-Card, die zwar in Australien, aber nicht in Neuseeland hinhaut.

Was ich mir sofort kaufen musste: ein Basecap, um meine Haare bei dem Wind unter Kontrolle zu halten; einen dicken wattierten! megacoolen Kapuzenpulli, weil der Sommer bei Wind hier nicht sonderlich sommerlich ist.

2.2.

Ich sitze gerade in dem neuen Hostel, in das wir heute morgen eingezogen sind und versuche innerlich meinen Mut zusammenzunehmen, um an der Rezeption meinen Verdacht zu äußern, dass die Bettwäsche nicht für uns gewechselt wurde. Mein Bett riecht sehr stark nach stinkigen Füßen und ist befleckt. Claudis Bett auch. Ich drücke mich für gewöhnlich ja vor Konfrontationen und meckere ungern rum, aber das ist doch ein bisschen doll mufflig. Dummerweise kann ich das jetzt gerade nicht auf jemand anderen abwälzen, weil Claudi schon losgezogen ist, um sich ne Matratze zu kaufen.

Leider geht das Fenster auch nicht zu öffnen. Ansonsten finde ich das Hostel ganz nett. Wir haben uns bei tollstem Wetter schon auf dem Hof gesonnt. Claudia hat sich gestern gleich für das erste Zimmer, das sie besichtigt hatte, entschieden. Mal gucken, wie lange ich noch im Hostel verweilen werde. Die WG, die ich mir gestern angeguckt hab, war nicht so doll und die Mitbewohnerinnen ziemliche Couch-potatoes.

Gestern haben wir in einer Gay-Karaoke Bar in Claudis Geburtstag reingefeiert und sogar gesungen. Es waren nur ca. 20 Leute da. Die 4-5 Mädels, die dort waren, waren alle sehr übergewichtig. Überhaupt laufen in der Stadt viele dicke Mädchen rum. Hoffentlich gehöre ich am Ende des Jahres nicht auch dazu.

Für Claudis Geburtstag hatte ich Chinaknaller besorgt, bei denen man an einer Strippe zieht und dann knallt es und es kommen kleine Luftschlangen raus. Dummerweise hat Claudi das mit einem der Dinger auch gemacht und das Teil so dicht an meinem Gesicht gezündet, das ich jetzt einen kleinen roten Kreis auf der Wange habe.

So, jetzt werde ich mich mal langsam auf den Weg in die Innenstadt machen, um mit Claudi einen Cafe zu trinken, mir dann eine WG anzugucken und anschließend Karsten (kenn ich vom Studium in Rostock und ist seit Nov. hier) zu treffen.

Abends:

Super-Aktion. Ich habe mich mit meiner Beschwerde über die Bettwäsche sofort zum Staatsfeind Nr. 1 gemacht. Die ältere Dame meinte grimmig, sie hätte heute morgen die Bettwäsche gewechselt, mir aber trotzdem mürrisch neue Bettwäsche gegeben. Die stank dann genauso und ist auch nicht unbedingt sauber. Toll!

Die WG, die ich mir angeschaut habe, ist supergut und ich hoffe, die nehmen mich. Entscheidung ist am Mittwoch. Beide Typen sind glaube ich schwul, die Wohnung und das Zimmer sind schön eingerichtet und man hat einen fantastischen Ausblick auf die Stadt. Preis ist gut und soweit echt perfekt. Eigentlich mag ich gar nicht mehr weitersuchen.

Ich bin gespannt wie lange es dauert, bis ich diesen komischen Neuseeland-Akzent verstehen werde. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die überhaupt Englisch reden. Als ich heute bei einer WG angerufen habe, musste ich irgendwann auflegen, weil ich trotz Nachfrage gar nichts verstanden habe. Ich vermisse echt ein wenig das amerikanische Englisch, wo ich ja wirklich alles verstehe, außer wenn mal ein ungewöhnliches Wort eingeworfen wird, aber selbst dann weiß ich ja, wie man es schreibt und kann es nachgucken. Naja, so krass habe ich das hier echt nicht erwartet.

3.2.

Mit den WG-Anzeigen war es heute nicht so doll. Hab mir eine abgeranzte 7er WG in nem ehemaligen Lagerhaus angeguckt. War zwar sehr zentral und mit Internet, aber total keimig. Rissige Wände und alles machte den Eindruck als wäre es ein Abstellraum. Wenigstens konnte ich noch einen Termin für Dienstag klarmachen. Ansonsten war heute superschönes Wetter, so dass wir beim Breakdance-Battle am Hafen rumgehangen haben und dann noch mit der Cable Car auf nen Hügel gefahren sind. Als wir auf dem Rückweg noch kurz an meiner Wunschwohnung vorbeigelaufen sind, stand dort ein schicker Typ wartend davor, der offensichtlich auch einen Besichtigungstermin hatte. Die Konkurrenz ist also verdammt gross.

4.2.

Gestern abend habe ich durch Karsten noch ein paar Leute von der Law School kennengelernt. Wirken alle sehr sympathisch.

Toll ist übrigens, dass man hier in den Clubs keinen Eintritt zahlen muss. So kann man getrosst von Club zu Club ziehen.

Am späten Abend habe ich dann noch zufällig Sean, meinen Wunschmitbewohner getroffen. Ich habe noch mal ausdrücklich mein Interesse an der Wohnung bekundet und er meinte, dass meine Chancen gut stünden, aber wer weiss, wer da die nächsten Tage noch alles das Zimmer anguckt.

Abends im Hostel haben Claudi und ich uns versehentlich aus unserem Zimmer ausgesperrt, als wir beide ohne Schlüssel ins Bad gegangen sind. Okay, ich war die Letzte, die das Zimmer verließ. Da standen wir nun nachts um 3 Uhr spärlich bekleidet in unserem ruhigen Hostel. Wir waren gerade dabei, uns im Fernsehraum einzurichten, als ein anderer Gast kam, dem ich die Situation schilderte. Dieser zögerte nicht den Hostelbetreiber aus dem Bett zu klingeln und zu klopfen. Verständlicherweise war dieser sehr wortkarg und mir war das alles sehr peinlich und unangenehm. So macht man sich beliebt.

Heute bin ich mit Claudi am Nachmittag mit dem Zug (45 min) zur Kapiti Coast gefahren.

Wir wollten von der vorletzten Zugstation am Strand entlang zur Endstation laufen, weil der eine Typ am Strand meinte, das würde nur 45 min dauern. 2 Stunden später meinte eine Frau, dass es nur noch eine halbe Stunde entfernt sei. Nach dieser halben Stunde meinte eine andere Frau, dass es noch ca. 40 min Weg wären. Nach diesen weiteren 40 min wurden wir von einer netten Neuseeländerin mit dem Auto zur Endstation gefahren, da sie meinte, dass wir sonst noch mindestens eine Stunde laufen müssten.

Der Weg war allerdings sehr schön, so dass mich die Dauer nicht gestört hat. Die meiste Zeit über bin ich auch für mich alleine gegangen. Ich hab vor mich hingesungen und zum ersten Mal seit Antritt der Reise das sichere Gefühl gehabt, dass ich mich richtig entschieden habe und dass es ein sehr tolles Jahr werden wird.

Hin und wieder bin ich auch Menschen am Strand begegnet, die mich alle freundlich angestrahlt haben oder gegrüßt haben. Der „Spaziergang“ hat mich sehr an Hape Kerkelings Buch erinnert.

6.2.

Die Wohnungssuche ist krasser als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Sobald eine Anzeige ins Internet gesetzt wird, rufen gleich zig Leute dort an und manchmal ist das Zimmer bereits 2 Stunden nach Erscheinen der Anzeige schon vergeben.

Ich habe heute eine schöne Wohnung gesehen und mich auch mit den Mitbewohnern so gut verstanden, dass ich mir ziemlich sicher war, dass sie sich für mich entscheiden würden. Natürlich habe ich in Gedanken schon das Zimmer gestaltet bis dann eben die Absage kam.

Eine andere Wohnung war heute auch sehr cool, wenn auch ziemlich teuer, aber da war ich mit den Leuten nicht so auf einer Wellenlänge.

Heute früh war ich ja auch mal Claudis WG besichtigen. Das Haus und ihr 5 qm Zimmer sind etwas heruntergekommen. Mein Ding wäre das nicht gewesen, aber es ist billig und Claudia kommt mit den Mitbewohnern wohl gut klar.

So langsam hätte ich schon gerne auch ein eigenes Zimmer, in dem ich mich ausbreiten und wo man auch mal ein Fenster öffnen kann.

Ansonsten war ich heute noch mit Claudia im Wellingtoner Hafen paddeln. Ich wurde von 3 Leuten, die auf einem Boot in der Sonne lagen und Queens „Bohemian Rapsody“ sangen auf einen Becher Wein eingeladen. Leider habe ich den halben Wein über mich gekippt, als ich versuchte den Wellengang, mein Kanu, mein Paddel und den Weinbecher in Einklang zu bringen. Es war mal wieder ein Super-Sommer-Sonnen-Tag.

Es sieht fast so aus, als würde sich mein Tagesablauf noch nicht so schnell ändern und ich werde weiterhin mein Geld für Internetcafe und Rumtelefonieren ausgeben.

8.2.

Gestern morgen meinte Lucile, eine Hostelbewohnerin, dass dies mein Tag sei und ich eine Wohnung finden würde. Am Abend konnte ich ihr dann strahlend „your forsay proved right“ entgegenrufen.

Ich hatte tagsüber eine doofe Wohnung mit fensterlosem Zimmer angeguckt und eine tolle Wohnung mit eigenem Dachterrassenzugang, wo ich mich dann auf einer endlos langen, Liste eingetragen habe. Bei einem Cappuccino in einem Strassencafe lernte ich anschließend Eugene kennen. Schätzungsweise um die 45, hat nach 15 Jahren gerade seine Marketingfirma verkauft, ist 3 Monate nach Cuba gegangen und da umhergewandert, hat sich scheiden lassen und will sich jetzt 1-2 Jahre Auszeit gönnen bevor er seine Zukunft weiterplant. Abgesehen von seiner interessanten Lebensgeschichte hat er mich dazu überredet, mich nicht Ann zu nennen, weil sich das so britisch konservativ anhöre, sondern lieber Anna (englisch ausgesprochen), da das exotischer klänge. Mir fiel sofort wieder Cathy, meine befreundete Anwältin in SF, ein, die ja auch darauf bestanden hatte, mich so zu nennen, weil sie fand, dass es mehr zu mir passte. Ich hatte es anfangs hier wirklich mit Anne (ganz deutsch gesprochen) versucht, aber die Leute waren so irritiert, dass ich zu doch mal wieder zu Ann übergegangen war.

Als ich dann das Internet nachmittags noch mal checkte, hatte ich Post von Sean aus meiner Favouriten-wohnung vom Freitag mit der Frage „Would you like to be our flatmate?“ Hurra, hurra! Ich ziehe also nächsten Donnerstag in die Superwohnung ein.

Die Betten im Hostel find ich auch nicht mehr so gut. Ich wohne jetzt zwar in einem Zimmer mit Fenster, aber ich habe das Gefühl die Matrazen haben Flöhe. Wenn man erstmal so einen Gedanken hat, juckt es natürlich sowieso überall, aber vor 3 Tagen habe ich auch 2 kleine juckende Stiche bekommen, die Flohstiche sein könnten. Naja, ich bin ja nur noch eine Woche hier. In meinem Zimmer ist außerdem eine ca. 40 Jahre alte Kiwi-Frau, die bis Sonntag mit mir zusammenwohnen wird. Sie besucht hier irgendeine Hochzeit, bei der eine ihrer Töchter Brautjungfer ist. Insgesamt wirkt sie eher unentspannt und stottert, aber sie schnarcht nicht.

Gestern abend habe ich dann noch einen indonesischen Taxifahrer kennengelernt, während ich auf Claudi wartete. Er wohnt hier, weil er die Wärme in Indonesien nicht mag und auch im Moment ist es ihm viel zu warm hier. Er erzählte mir, dass hinter Mount Victoria, (also einem der Hügel, der die Stadt begrenzt) King Kong gedreht wurde. Die „Herr der Ringe“ Drehorte sind größtenteils auch alle in der Nähe, aber mein Interesse daran ist bekanntlich so groß wie an Tennis.

Interessant hingegen war, dass man als Taxifahrer in 5 Stunden wesentlich mehr verdient, als als Vollzeit-Manager bei McDonalds.

Weiter ging es dann gestern zu dem Juristen-Stammtisch. Es waren im Wesentlichen die Leute dort, die ich schon bei den anderen Treffen durch Karsten kennengelernt hatte und die mir alle überwiegend sympathisch sind. Der eine Neuseeländer meinte, dass er zurzeit schlecht schlafe, weil es so warm sei und vor allem, weil es seit Tagen ausnahmsweise nicht windig ist. Ohne Wind habe er das Gefühl, dass er keine Frischluft bekomme. Okay, whatever.

Heute bin ich mit Claudi auf die andere Seite der Bucht gefahren. Die Bootsfahrt war gut, aber auf der anderen Seite der Bucht war es langweilig, weil da nur ein paar Häuser waren und nichts weiter. Na gut 2 Cafes, ein Restaurant und 2 Keramikläden. Aber nicht wie die Werbung uns versprochen hatte, eine Riesenauswahl an Cafés und Kunstläden und tollen Picknickplätzen. Da wurde mal wieder mächtig dick aufgetragen.

So, jetzt mach ich mir mal meine heissgeliebten Nudeln mit Pesto und Tomaten und verbringe einen ruhigen abend im Hostel.

… irgendwer hat mein Pesto aufgegessen. Also doch keine Nudeln, sondern Pizza von gegenüber.

11.2.

Gestern abend war es also so weit: Die one-and-only-einmal-im-Monat-Frauenparty in Wellington fand statt. Ich war erst mit den Juraleuten unterwegs gewesen und hab mich dann kurz mal abgeseilt. Nach 10 min war ich eigentlich schon wieder zurück, weil das nix war. Ca. 30 bis 40 Mädels, entweder superdick oder typisch maskulin kurzhaarig. Mit superdick meine ich jetzt nicht irgendwelche weiblichen Kurven oder "a little extra", sondern Größe XXL. Ich bin dann mal schnell geflüchtet, als eines der dicken Mädchen unbedingt mit mir tanzen wollte.

Die Chancen, dass ich für immer in Wellington der Liebe wegen bleibe gehen stark gegen Null. Dafür steigen die Chancen, dass ich eine gute Studentin sein werde und einen muskulösen Körper vom vielen Sport bekommen werde.

Bei Claudi sieht das da ganz anders aus: weil die Männer hier überdurchschnittlich gut aussehen und man die weibliche Konkurrenz in die Tonne treten kann.

Heute morgen hieß es mal wieder für mich: innerhalb des Hostels umziehen. Die letzte Nacht war sehr kurz und ich trank meinen Frühstückstee zusammen mit Jack, einem Bauarbeiter aus Samoa. Um genau zu sein trank er mit einem spürbaren Restalkoholpegel bereits sein erstes Bier. Er erzählte mir, das Samoa eine deutsche Kolonie war und es daher viele hübsche Menschen gibt, die halb deutsch und halb samoa-mäßig sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt und werde mich sobald ich eigenes Internet habe darüber informieren.

Dann habe ich ein Blind-Date mit einem Kletterpartner gehabt. Ich hatte letzte Woche meinen Namen in die Rubrik „looking for climbing partner“ in der Kletterhalle eingetragen und einen Anruf von Murray und einen von Matt erhalten. Murray war nun heute dran. Er ist wohl um die 30 und Software-Entwickler und hat noch keine Kletterfigur. Er ist mehr so der typische Computerfreak. Er war ganz nett, aber jetzt kein cooler Typ, mit dem man sich unbedingt mal auf ein Bier treffen möchte. Mal gucken was Matt nächstes Wochenende so für einer ist.

Morgen und übermorgen haben Claudi und ich uns ein Auto geliehen und düsen erstmal in der Gegend rum. Ich bin echt gespannt, ob ich das links fahren und links schalten hinbekomme und freue mich schon auf diese Herausforderung… und auf Seelöwen, Weinberge, Quadfahren… Studium geht erst Mittwoch los und es ist Sommer. Die Zeit muss genutzt werden!

13.02.07

Das erste Mal in meinem Leben links fahren war unkomplizierter als erwartet. Manchmal wollte ich auch heute noch beim abbiegen die falsche Seite nehmen und die Scheibenwischer gingen auch häufig an, wenn ich eigentlich blinken wollte, aber alles in allem sind wir unfallfrei wieder nach Wellington zurückgekommen. Ach nee, stimmt ja gar nicht. Claudi hatte heute Nachmittag noch einen kleinen Unfall mit ihrem Quad. Sie hat wohl in einer Kurve die Kontrolle verloren, ist runtergefallen und das Quadbike ist teilweise über sie rübergefahren. Keine ernsthaften Verletzungen zum Glück.

Das Quadfahren war sehr toll. Wir sind in einer Gruppe von 7 Leuten die Berge rauf und runtergedüst und sind durch niedrige Flussbetten gebrettert. Ich hab immer schön Gas gegeben und war daher vom Flusswasser vollkommen nass, aber das Wetter war mal wieder sehr sommerlich, so dass das nichts ausmachte.

Unser kleiner Ausflug war insgesamt eindrucksvoller als erwartet. Bereits kurz hinter Wellington wurde es sehr ländlich. Wir mussten uns einen Weg durch Rinder- und Schafherden bahnen und die Strasse war häufig eher unbefestigt und oft einspurig.

Ich habe mich so dicht wie möglich an Seelöwen herangepirscht, bis der eine Seelöwe mit Drohgeräuschen auf mich zu gehopst ist und ich schnell weggerannt bin. Ich mag Seelöwen sehr gerne und freue mich immer wieder, wenn ich sie beobachten kann.

Ein kleines Weingebiet gibt es in der Nähe von Wellington (bei Martinsborough) auch. Es sind zwar keine Weinberge wie im Nappa Valley in California, aber es ist schon ganz nett da. Auf 2 Weingütern haben wir auch Wein verkostet, mehr ging dann aber nicht, weil wir ja mit dem Auto unterwegs waren.

In den kleinen Orten in der Gegend ist ansonsten nicht viel los. Naja, man darf nicht vergessen, dass Wellington nicht so riesig ist (es gibt in der Stadt übrigens nur einen großen Supermarkt; angeblich soll es noch einen weiteren am Stadtrand geben).

16.2.

Die letzten 3 Tage war „Orientation“ und Umziehen angesagt. Ich brauche jetzt erstmal Ferien!

Von den 30-40 international law students sind 80% deutsch und 7 Mädels heißen Anne und nur 3 sind Ossis. Bei den international students insgesamt sind viele Amerikaner dabei und ansonsten Leute von überall her.

Die Uni gibt sich sehr viel Mühe und kümmert sich mit vielen Einführungsveranstaltungen um die Internationals. So ein Aufwand wird in Deutschland bei weitem nicht betrieben, aber dafür zahlt man hier ja auch entsprechend hohe Studiengebühren.

In den letzten 3 Tagen wurde ich mit so vielen Informationen überhäuft, dass ich die nächsten 2 Tage erstmal in Ruhe alle Unterlagen und Broschüren durcharbeiten muss.

Die Law School ist im alten Regierungsgebäude der Stadt untergebracht und macht von innen und außen einen sehr ehrwürdigen Eindruck. Es gibt schöne geschwungene Holztreppen und alles ist mit gutem Teppich ausgelegt. Die Hörsäle sind in einem neueren Gebäude auf dem Hof untergebracht und sehr modern: vollständig klimatisiert, gut technisch ausgerüstet und man sitzt auf bequemen Polsterstühlen. Alles kein Vergleich mit dem deutschen Standard, den ich sonst so kenne.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Lehrveranstaltungen. Abgesehen von den allgemeinen Einführungskursen sind in den Kursen nur maximal 16 Personen zugelassen. Es wird also alles etwas anders ablaufen.

Seit gestern wohne ich ja nun auch endlich in meiner WG. Mein Zimmer ist sehr schön. Aus meinem Fenster kann ich sogar eine klitzekleine Ecke Meer erspähen. Ich habe ein schönes grosses Queen-Size-Bett und habe mir auch eine riesengroße Bettdecke und schöne Bettwäsche gegönnt. Außerdem habe ich ein bisschen Stuck an der Decke, einen Kronleuchter und ein kleines Bild von Monet an der Wand. In der ganzen Wohnung sind Bilder von Monet und Van Gogh, was mich natürlich sehr freut.

Ich befürchte allerdings, dass es hier im Winter relativ kalt wird. Ich habe zwar eine kleine Elektroheizung in meinem Zimmer stehen, aber mein Fenster ist so ein einglasiges Schiebefenster mit Holzrahmen. Diese Fenster sind hier üblich und kenne ich auch schon aus San Francisco. Obwohl mein Fenster „geschlossen“ ist und es nur mittelmäßig windig ist, weht meine Gardine gerade mächtig hin und her.

Mein Mitbewohner Sean (28) ist sehr bemüht und hilfsbereit. In der Abwäsche ist so eine Art Mini-Biokompostierer integriert, der mir gerade erklärt wurde; der „Sinkenator“ oder so ähnlich. Es ist wie ein etwas größerer Ausguss, man lässt Wasser dort rein laufen und auf Knopfdruck werden die Küchenabfälle zerhäckselt. Komischer Weise wird das Teil niemals geleert, zumindest nicht in meiner Wohnung.

Ich verstehe Sean auch ganz gut. Ich glaube, er bemüht sich sehr, klar und ordentlich zu reden. Seinen Freund verstehe ich hingegen kaum. Im Moment wohnt auch noch Alex hier, die ich aber nur einmal kurz gesehen hab und die in 2 Wochen auch auszieht. Dann zieht Jason ein und die gay-community ist dann vollständig.

Heute hatte ich noch das tolle Vergnügen mit der Telecom zu telefonieren. Am Anfang des Telefonsystems ist so eine automatische Worterkennung und man soll erzählen, was man will und dann wird man weitergeleitet. Ich habe mehrmals versucht, die Worte „change internet account“ deutlich auszusprechen, aber das Ganze ist wohl immer wieder an meinem deutschen Akzent gescheitert. Nach dem dritten automatischen „Sorry, I still didn´t quite get that“ wurde ich einfach irgendwohin verbunden.

mehr Fotos:

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